Ölversorgung
Zähflüssig

Die für den morgigen Mittwoch geplante Sondersitzung der Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder in Wien (Opec) ist ebenso kurzfristig wie überraschend abgesagt worden. Dies ist ein Novum in der mittlerweile fast 44 Jahre alten Geschichte des Ölkartells. Im Opec-Lager sieht man gegenwärtig keinen Beratungsbedarf. Die Quotenfesseln sind immer mehr gelockert worden. Am 3. Juni wurden in Beirut bereits die Weichen für eine weitere Erhöhung der Produktionsquoten gestellt.

DÜSSELDORF. Mehr Erdöl wird allerdings kaum auf die Märkte fließen können. Denn die zehn Kartellmitglieder lasten mit Ausnahme Saudi-Arabiens ihre Kapazitäten schon heute weitgehend aus. Der Irak ist als elftes Mitglied seit langem von Quotenfesseln befreit und produziert so viel Öl, wie angesichts der maroden Förderinfrastruktur und der Sabotageakte überhaupt möglich ist.

Aber die Opec- Staaten können selbst durch die Vollauslastung ihrer Kapazitäten die Spannungen auf den Weltölmärkten nicht dauerhaft beseitigen. Saudi-Arabiens Angebotsspielräume sind begrenzt, weil Fachpersonal aus dem Ausland aus politischen Gründen kaum noch mobilisiert werden kann.

Ein Ende der Hochpreisphase ist also nicht in Sicht. In der globalen Erdölproduktion sind die freien Kapazitätsreserven auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gesunken. Gleichzeitig werden weltweit die höchsten Verbrauchszuwächse seit 16 Jahren registriert. Auf allen Stufen der Mineralölversorgung fehlen Ausgleichspuffer: Die kommerziellen Lagervorräte haben durch die Konzentration in der Mineralölindustrie zusammen mit einer Bevorratungsstrategie „just in time“ abgenommen.

Nicht nur in den Bereichen Exploration und Produktion, sondern auch bei Transport und Raffinierung sind durch die überraschend hohe Nachfrage Engpässe entstanden. Die Amerikaner kaufen in Europa die Spotmärkte leer. Und China, bis weit in die 90er-Jahre selbst Ölexporteur, ist heute nach den USA und Japan bereits der drittgrößte Importeur.

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