Österreich
Der Weg zurück

Österreich hat gewählt. Und der Verlierer heißt Wolfgang Schüssel. Das Nachbarland vollzieht damit, was Deutschland im vergangen Jahr erlebt hat: Aus einem Vorsprung der Konservativen wird ein Patt zwischen Rot und Schwarz.

Die Österreicher bauen auf die Versprechen der Sozialdemokraten, mehr Gerechtigkeit schaffen zu wollen, genauso wie auf die Forderung der Konservativen nach mehr Leistungsbereitschaft. Und noch eine Parallele ist augenfällig: Österreich hat gewählt, aber noch lange keine Regierung. Jetzt wissen die Parteien zwar, wie es um sie steht, wer sie regiert, dürften die Bürger aber erst nach zähen Verhandlungen erfahren.

Die wahrscheinlichste Variante ist angesichts der fast gleichstarken großen Parteien nun eine große Koalition, wie sie in Österreich lange Tradition hatte – eine Tradition, auf die das Land stolz ist, weil sie zum sozialen Frieden beigetragen hat. Tatsächlich aber waren bis zur Machtübernahme Schüssels im Jahr 2000 unter den bis dahin währenden großen Koalitionen die Strukturen erstarrt. Österreich hatte sich vor allem wirtschaftspolitisch in eine Sackgasse manövriert. Den Weg dorthin zurück zu vermeiden, das dürfte jetzt die Hauptaufgabe der Verhandlungspartner sein, sollten sie sich zu einer großen Koalition zusammenraufen.

Die Alternative besteht in einem Dreierbündnis zwischen dem Wahlverlierer Schüssel und den Parteien, die das Erbe des Rechtspopulisten Jörg Haiders angetreten haben. Bei aller Wendigkeit des österreichischen Kanzlers dürfte sich Schüssel damit allerdings zu viel zumuten. Die Haider-Nachfolger verfügen weder über das nötige politische Personal, noch über irgendwelche inhaltliche Kompetenz, um als Juniorpartner an der Seite von Schüssels geschwächter ÖVP auf Dauer bestehen zu können.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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