Olympia
Kommentar: Zombie Chirac

Mon Dieu, was für eine Niederlage der Grande Nation! Die Entscheidung des IOC, die Olympischen Spiele 2012 nach London zu vergeben, versetzt dem Verlierer Paris einen harten Schlag. Vor allem für den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, der mit dieser politisch aufgeladenen Bewerbung um die Sommerspiele seine Takt- und Glücklosigkeiten der letzten Monate vergessen machen wollte, ist das Votum von Singapur der K. o.-Schwinger.

Als hätten die alten Herren des IOC einen Sinn für dramatische Wildwest-Showdowns, zogen sie der französischen Hauptstadt ausgerechnet den Erzkonkurrenten London vor, kürten ausgerechnet Chiracs derzeitigen Lieblingsfeind Tony Blair zum Sieger. Als reichten die Ohrfeigen, die Chirac beim EU-Referendum und dem anschließenden Chaos-Gipfel der EU verabreicht bekam, nicht aus. Nein, Chirac muss den bitteren Becher der Niederlagen leer trinken. Und es war nur die vorletzte. In Frankreich wird nun brachialer und unverhüllter die Diskussion über die Präsidentschaft Chiracs, über seinen Wert für die V. Republik und über seine Zukunft ausbrechen.

Chirac hat in seiner nunmehr zwölfjährigen Amtszeit keinen Impuls, keine wegweisende Idee für sein Land hinterlassen. Er hat sich mit Amerika und vielen EU-Nachbarn überworfen. Die deutsch-französische Achse, auf die seine Vorgänger so viel gaben, hat sein Widersacher Nicolas Sarkozy bereits vorauseilend beerdigt.

Die Olympischen Spiele im eigenen Land waren Chiracs finale Chance. Auch sie ist vertan. Chirac wird die beiden letzten Jahre seiner Präsidentschaft als Untoter der französischen Politik fristen und hilflos Sarkozys Aufstieg zusehen müssen. Gemessen an seinem Anspruch, ist das die letzte, die wirkliche Niederlage.

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