Olympia-Tagebuch
Peking-Ente statt Hund

Dass man in Chinas Küchen des öfteren Hund vorgesetzt bekommt, ist wohl eher ein westliches Vorurteil. Nun wurde das Fleisch der Vierbeiner während der Olympischen Spiele aber auch offiziell von den Speisekarten chinesischer Restaurants verbannt - im Gegensatz zu zahlreichen gefährdeten Tierarten, die weiter in Chinas Gourmet-Küchen zu finden sind.
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PEKING. Deutsche Manager, die schon viele Jahre in Peking leben, erzählen gern die Geschichte, die während einer der ersten Staatsbesuche von Helmut Kohl passiert sein soll. Der damalige Kanzler war mit großer Wirtschaftsdelegation angereist, die mit einem Bankett in der Halle des Volkes geehrt wurde. Als alle höflich die leckere Suppe lobten, schmunzelten die Chinesen und fragten, ob die deutschen Gäste denn wüssten, was sie soeben verspeist hätten. Die meisten tippten auf eine Brühe mit Rindfleisch. "Das war Hund", soll die Antwort gewesen sein.

Egal, ob die Anekdote sich wirklich so zugetragen hat oder nicht: So etwas soll ausländischen Olympia-Besuchern in Peking nicht passieren. Hundefleisch ist während der Spiele von den Speisekarten der Olympia-Restaurants verbannt worden. Auch die restlichen Gaststätten in der Stadt sollen das Fleisch der Vierbeiner nicht mehr anbieten.

Eigentlich ist das angeblich sehr gesunde Gericht in China, wo es "duftendes Fleisch" genannt wird, gar nicht so populär. Hundefleisch wird vor allem in Vietnam, Südkorea, auf Laos und auf den Philippinen gegessen. Doch in meinem Stadtviertel leben sehr viele Koreaner, es wimmelt nur so von koreanischen Restaurants ringsum. Und dort findet man die Entscheidung zwar verständlich, aber irgendwie auch unnötig.

Denn nebenan ist bei unserem Lieblingschinesen Haifischflossensuppe noch immer zu haben. Obwohl gerade dieses sündhaft teure Gericht nicht nur bei westlichen Umweltschützern, sondern längst bei Chinesen große Empörung auslöst. Doch nicht nur Haifische sind von Chinas Gourmet-Küche bedroht - auch Schildkröten, Schlangen, einige Affenarten oder Schwalben werden vom neuen Wohlstand regelrecht verzehrt.

Doch in China kämpft schließlich jeder ums Überleben. Auch die unzähligen Restaurants in Peking. Unser China-Restaurant um die Ecke bietet nun alternativ Peking-Ente an. Wenn man allerdings weiß, was das arme Geflügel in den letzten zwei Monaten der Mast durchmachen muss und wie die Tiere nach dem Schlachten aufgeblasen werden? Vielleicht doch lieber eine leckere Suppe?

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