Olympischen Spiele
Kommentar: Feuer für die Funktionäre

Die Sportfunktionäre müssen springen: Ohne ihre Rückendeckung könnten die Sportler schon bei geringsten Anlässen zum Opfer chinesischer Repressalien werden.
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Der Fackellauf macht Sendepause. Zeit, sich nach dem unterhaltsamen PR-Desaster auf den Straßen diverser Hauptstädte mal wieder mit den eigentlichen Akteuren zu beschäftigen: den chinesischen Polit- und den internationalen Sportfunktionären, den Sponsoren und – doch, die gibt es auch noch – den Olympioniken. Einige von ihnen sollten die Unterbrechung für intensives Nachdenken nutzen.

Die chinesische Polit-Kamarilla und die Sponsoren sind sauer auf alle: Nun hatte man ihnen für das viele Geld so eine schöne Propagandashow versprochen, und dann diese fiesen Proteste! Ihr Gezeter nützt aber nichts. So zynisch sie auch denken mag – wenn die chinesische Regierung einen Rest politischen Verstands hat, wird ihr jetzt aufgehen, dass ohne eine minimale Geste des Respekts vor den Menschenrechten die Proteste bis zum Sommer an ihr kleben werden wie zu weich gekochter Reis.

Bei den Sportfunktionären werden erste Fraktionsbildungen sichtbar: IOC-Chef Jacques Rogge traut sich wenigstens ein klein wenig Aufmucken gegen Peking zu, während sein Vize Thomas Bach die Diktatur nach Kräften schont und auf schön Wetter macht. Soll man ihn dafür etwa kritisieren? Das olympische Urgestein Samaranch hat sich doch auch nicht vom Franco-Regime distanziert und wird bis heute bewundert!

Dumm sieht es nur aus für die Sportler. Denn viele von ihnen möchten sich nicht als nützliche Idioten Pekings hergeben. Sie brauchen Rückendeckung und klare Aussagen darüber, in welchem Rahmen sie sich bewegen. Sonst könnte der versammelte chinesische Repressionsapparat vielleicht schon das Tragen eines farbigen Armbands als politische Provokation werten. Ob die Funktionäre den Sportlern diese Bitte wohl erfüllen? Sie sind jetzt jedenfalls am Zug.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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