Opec
Öl bleibt teuer

Der nächste Wendepunkt auf dem Ölmarkt steht bevor. Am Dienstag wird die Opec über eine Reaktion auf den Preisrückgang debattieren, der seit Juli mehr als 27 Prozent ausmacht.
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Iran hat sich für eine Kürzung der Produktionsquoten ausgesprochen. Venezuelas autoritärer Herrscher Hugo Chávez unterstützt die Forderung der Mullahs. Saudi-Arabien dagegen zögert noch.

Egal, wie sich die Minister des Ölkartells bei ihrem Treffen in Wien entscheiden werden - die Produktion der Opec dürfte bald einen vorläufigen Höhepunkt überschreiten. Saudi-Arabien treibt die Sorge um, dass auf den bis vor kurzem zu beobachtenden, sich selbst verstärkenden Preisanstieg eine entsprechende Abwärtsspirale folgen könnte. Das hat die Schlüsselmacht auf dem Ölmarkt bereits veranlasst, erste feine Korrekturen ihres Ölangebots vorzunehmen.

Lange war von einem Verfall der Macht des Opec-Kartells die Rede. Doch seit einiger Zeit ist es von Jahr zu Jahr mehr das Zünglein an der Waage des globalen Ölmarkts geworden. Die Produktion in den Ländern außerhalb der Opec sinkt, während die Nachfrage aus Schwellenländern wie China und Indien steigt. Den Ausgleich stellt die Opec - und hier in erster Linie der größte Produzent Saudi-Arabien - her.

Er hat 2006 seine Produktion um rund eine Million Barrel (159-Liter-Fass) am Tag heruntergefahren und damit die Grundlage für den gewaltigen Ölpreisschub 2007/08 geschaffen, der durch spekulative Einflüsse noch verstärkt wurde. Zuletzt hoben die Saudis, auch auf massiven Druck der USA, die Produktion wieder um rund eine Million Barrel an und verdoppelten damit in etwa die schmale Reservekapazität auf dem Weltmarkt, der täglich etwa 87 Millionen Barrel Öl nachfragt.

Das hat dazu beigetragen, den Ölpreis von seinem Rekordstand von 147 Dollar je Barrel herunterzuholen. Mindestens ebenso wichtig war dafür aber die Entwicklung der Weltwirtschaft. Seit Juli ist klar geworden, dass Europa womöglich noch tiefer ins Konjunkturtal rutscht als die USA. Nun mehren sich die Stimmen, die auch vor einem deutlichen Wachstumsknick in den Schwellenländern warnen. Das alles senkt zum einen die Nachfrageerwartungen und hilft zum anderen dem US-Dollar. Dessen Aufstieg belastet nun den Ölpreis genau so, wie ihn zuvor sein Abstieg befördert hat.

Zusammengenommen könnte das genügen, um den Ölpreis schon sehr bald unter 100 Dollar zu drücken. Doch auch das ist noch ein Preis, den 2005 nur Außenseiter vorausgesagt hatten. Bewahrheitet sich die Befürchtung einer Rezession in Europa und einer deutlichen Abkühlung in China und Indien, dann ist ein weiterer Preisverfall bis auf 85 oder 80 Dollar denkbar. Doch damit wäre schon die Zone erreicht, in der die teureren der neuen Ölförderprojekte nicht mehr die Gewinnschwelle erreichen. Dass wir unser Öl noch einmal für 40 oder 50 Dollar kaufen können, ist kaum vorstellbar.

Selbst einen Preisrutsch auf 80 Dollar wird die Opec zu verhindern suchen. Dafür muss sie nächste Woche nicht einmal unbedingt ihre Quoten senken und sich damit der öffentlichen Kritik ihrer Kunden aussetzen. Schon die Ankündigung einer niedrigeren Produktion würde wohl den Preis stabilisieren. Auch könnte Saudi-Arabien einfach die Produktion und damit die globale Reservekapazität langsam herunterfahren. Die Mitglieder des Ölkartells haben, wie üblich, eine Maximierung ihrer Profite gegen die Gefahr einer allzu heftigen Nachfragereaktion abzuwägen. Schließlich wollen sie, dass auch die nächste Generation noch von den Öleinnahmen leben kann.

Fragt sich nur, ob sie den Bogen nicht längst überspannt haben. Ein dreistelliger Ölpreis, das haben die vergangenen Monate gezeigt, löst langfristig orientierte Anpassungsreaktionen in den Industriestaaten aus. Die Entwicklung von Biotreibstoffen und Elektroautos werden in den kommenden Jahren weitere Fortschritte machen. Der Abwärtstrend im Ölkonsum der OECD-Staaten dürfte inzwischen unumkehrbar sein. Solange China, Indien und andere Schwellenländer mit Hilfe von Preissubventionen mehr zusätzliche Nachfrage erzeugen, als in der OECD wegbricht, muss das die Opec nicht kümmern. Doch das wird nicht auf ewig so bleiben.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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