Ordnungspolitischer Einspruch
Schule als Unternehmen

Ganz Deutschland hat Schulferien. Ganz Deutschland? Naja, abgesehen von der Urlaubssonderregulierungszone Süddeutschland. Überall aber gehen unterdessen die Renovierungsarbeiten der Schulministerien weiter. Wenngleich unzureichend gesamtstaatlich koordiniert, wird erstmals seit der Reformwelle aus den sechziger Jahren versucht, die allgemein bildenden Schulen grundsätzlich neu zu orientieren.

Vielfach werden derzeit Pilotphasen und Modellversuche beendet, die Reform des Bildungswesens steht zunehmend vor dem Ernstfall. Einen Vorreiterstatus beansprucht die hessische Staatsregierung mit ihrem Slogan vom Bildungsland. Wie schon in den siebziger Jahren soll gelten: Hessen vorn. Diesmal aber geht es nicht um die Demokratisierung der Schule und falsch verstandene Ideen der Chancengerechtigkeit, die angesichts unterbliebener Integrationsanstrengungen und mangelnder Leistungsorientierung Hessen zum Synonym für bildungspolitisches Versagen werden ließen.

Diesmal geht es um eine neue Steuerungskultur der Schulen, bei der man sich auch nicht scheut, Schule als mittelständisches Unternehmen zu begreifen. Schule als Unternehmen zu verstehen, kann sich als Baustein in eine umfassende Reformagenda einfügen. Grundsätzlich sind alle Stufen der Bildungsbiografie und die jeweils bedeutsamen Veränderungen insgesamt in den Blick zu nehmen. Neben entsprechenden Reformableitungen für die verschiedenen Schultypen ergeben sich schulformübergreifende Empfehlungen. Im Mittelpunkt steht dabei die größere Autonomie der Schulen. Soweit man aus den Pisa-Daten positive Effekte größerer Schulautonomie auf den Lernerfolg der Kinder ermitteln kann, steht dies unter der Voraussetzung, dass die Schulen zu einer regelmäßigen und transparenten Rechenschaft verpflichtet sind.

Nur eine externe Evaluation kann gewährleisten, dass die vorgegebenen Bildungsstandards als verpflichtende Zielmarke von jeder Schule auch erreicht werden. Die Kultusministerkonferenz hatte bereits im Jahr 2002 die Einführung solcher Normen beschlossen, die leider verfehlt als Regel- und nicht als Mindeststandards definiert wurden. Erst durch Mindestnormen werden das zu erreichende Wissen und die aufzubauenden Kompetenzen klar und eindeutig bestimmt, wobei eine Überschreitung nicht nur möglich, sondern auch wünschenswert ist. Das Land Hessen ist mit der Umsetzung von Schulautonomie und Reform der Schulaufsicht weit vorangeschritten. Jüngst wurde nach einjähriger Pilotphase die landesweite Regelinspektion („Schul-Tüv“) gestartet. Durch überprüfbare Zielvereinbarungen mit den Schulen und Vergleichsarbeiten für alle Stufen soll der Freiraum für mehr Schulautonomie entstehen. „Selbstverantwortung plus“, „Unterrichtsgarantie plus“ und autonome Schulbudgets für Fortbildung sind dabei wesentliche Elemente, um Entscheidungskompetenz zu dezentralisieren. Das Irritierende an diesen Konzepten ist allenfalls der Namenszusatz „plus“, der vermutlich analog zu den Üblichkeiten im Privatfernsehen künftig zu „plusplus“ gesteigert wird.

Inhaltlich zeigt sich die hessische Politik durchaus mutig. Mit der Vorgabe einer Jahresstundentafel ab dem 1. August 2006 erhalten die Schulen sogar die Möglichkeit, von festen Zeitstrukturen zu Gunsten bedarfsorientierter Angebote abzugehen. Eigenständige Vertretungsbudgets stehen den Schulen im neuen Schuljahr ebenso erstmals zur Verfügung. Bei der Personalauswahl sollen – zunächst für 50 Prozent aller freien Stellen – die Schulleitungen völlig eigenständig entscheiden können. Dadurch soll es möglich werden, das Kollegium gemäß der im Schulprogramm niedergelegten Profilierung „formen“ zu können.

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