Oskar Lafontaine ist bei der WASG angekommen
Mit hochrotem Kopf

Der Graben verläuft chaotisch zwischen den Stuhlreihen. In der Mitte des Konferenzsaals ist die Kluft zu sehen, sie führt im Zickzack weiter durch den rechten Sitzblock, vereinzelt sieht man Brüche auf der linken Seite. Es ist ein wirrer Zwiespalt, der sich offenbart, als Oskar Lafontaine eintritt. Eine Handelsblatt-Reportage.

HB KÖLN. Frenetischer Applaus empfängt ihn im Technologiepark von Köln. Doch genauso laut schicken ihm Delegierte Buhrufe und Pfiffe entgegen. Es sieht so aus, als habe der ehemalige SPD-Parteichef wieder Herzen gebrochen und Lieben enttäuscht, alles auf einmal.

Lafontaine wirkt äußerlich unbeeindruckt, stoische Miene, so, als ginge es nicht um seine große politische Chance, die letzte vielleicht. Er ist am Wochenende zum Landesparteitag der "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" (WASG) in Nordrhein-Westfalen angereist, um für sein Linksbündnis mit PDS und Gregor Gysi zu werben. Der 61-Jährige will sich zum Spitzenkandidaten im Landesverband NRW, der stärksten WASG-Parteigliederung, küren lassen und in den Bundestag einziehen.

Lafontaine beginnt mit einem "schönen guten Morgen" und spricht gleich über die Zerrissenheit. Die WASG sei "eine junge Partei, die erst im Werden ist". Die PDS bestehe seit langem, sie sei "im Osten angekommen, aber nicht im Westen". Es bestehe "die Gefahr, dass zwei linke Parteien gegeneinander kandidieren", sagt er zu den 153 Delegierten. Es wird getuschelt. "Ruhe" zischen Delegierte sich gegenseitig an, sie wollen nichts überhören. Die "vereinigte Linke" sei noch nicht entstanden, sagt Lafontaine. "Sie ist aber schon, und das ist fast ein Wunder, bei den Wählern angekommen." Man könne gemeinsam mit der PDS die "drittstärkste Kraft" im Bundestag werden. "Auf dem Weg dorthin können nur wir selbst uns noch ein Bein stellen", mahnt er.

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