Osteuropa
Teure Standorte

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Wer in der europäischen Autoindustrie auskömmlich über die Runden kommen will, der verlagert. Längst haben die Großen der Branche ihre Werkbänke nach Osteuropa verlegt, zu groß war in den vergangenen Jahren der Preisdruck, nicht nur für die Massenhersteller. Polen, Tschechien die Slowakei und Ungarn boten sich an. Längst ist die PS-Branche in diesen Ländern das Zugpferd des Aufschwungs.

Doch mittlerweile gerät der Reiz der Standorte in Gefahr. Was Wirtschaftsforscher jahrelang prognostizierten, tritt jetzt ein. Die Löhne steigen dort schneller als in Deutschland. Polen und Tschechien werten ihre Währungen gegenüber dem Euro auf. Facharbeiter werden knapp, viele sind in der Hoffnung auf einen noch schnelleren Aufstieg ausgewandert. Es ist die Summe dieser Entwicklungen, die plötzlich zum Problem wird. So für den bayerischen Autozulieferer Grammer, der wie andere in Osteuropa ein Kostenproblem hat. Das Unternehmen schreckt die Märkte auf, weil es in Polen und Tschechien Hunderte von Arbeitsplätzen streichen will. Grammer rationalisiert seine Produktion nach westeuropäischen Maßstäben, weil sich die Löhne in Richtung westeuropäisches Niveau verschieben.

Die einen rationalisieren, die anderen ziehen weiter. Der Kabelspezialist Leoni hat einen Teil seiner Fertigung in die Ukraine verlegt, andere werden folgen. Serbien, Bulgarien und Russland heißen die neuen Billigstandorte. Das Rennen Richtung Osten geht also weiter. Das Tempo wird eher noch zunehmen, denn die weiter steigenden Rohstoffpreise können nur über eine relative Senkung der Lohnkosten kompensiert werden. So gesehen ist es ein Glück für die Industrie, dass Europa nicht hinter der polnischen Grenze aufhört.

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