Panne von Angela Merkel
Die Brutto-Netto-Scharade

Zahlreiche Politiker von SPD und Grünen haben Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) wegen Interview-Äußerungen zur Haushalts- und Finanzpolitik Inkompetenz vorgeworfen.

HB BERLIN. Merkel hatte zunächst im ARD-Sommerinterview am Sonntag erklärt, "dass die Bruttolöhne um ein Prozent sinken, wenn wir die Lohnzusatzkosten senken." Diese Aussage ist sachlich falsch. Richtig hätte es heißen müssen: "... dass die Nettolöhne um ein Prozent steigen". Außerdem hatte Merkel dem Spiegel gesagt: "Wir haben uns außerdem darauf verpflichtet, schon 2006 wieder die Maastricht-Kriterien einhalten zu wollen." Dieser Termin geht über die Formulierung im Unionswahlprogramm hinaus und widerspricht früheren Darstellungen führender Unionsexperten.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) kommentierte Merkels Fehler und Alleingang mit den Worten: "Frau Merkel und die Union sind mit der Finanz- und Haushaltspolitik maßlos überfordert". Die Unions-Kanzlerkandidatin habe sich "gleich zwei eklatante Patzer" geleistet. SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter machte sich gar über die einstige Physikern Merkel lustig: "Das Leben ist komplizierter als ein Physiklabor", sagte er. Der SPD-Finanzexperte Joachim Poß meinte: "Regierungsfähigkeit sieht anders aus".

Doch auch die SPD hat Probleme mit der Steuer - genauer gesagt mit der Mehrwertsteuer. Gegen die von der Union geplante Erhöhung von 16 auf 18 Prozent plakatieren die Genossen mit der Aufschritt: "Ich koste zwei Prozent mehr" - eine Peinlichkeit. Es müsste zwei Prozentpunkte heißen.

Denn wenn die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht wird, steigt der Gesamtpreis des Produkts nicht um zwei Prozent, sondern nur um rund 1,7 Prozent. Ein Produkt, das jetzt 100 Euro plus 16 Euro Mehrwertsteuer kostet, würde nach der Steuererhöhung 100 Euro plus 18 Euro Mehrwertsteuer kosten. Der Unterschied zwischen 116 und 118 Euro beträgt aber nur 1,7 Prozent.

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