Paraguay
Befreiung vom Filz

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Mit der Wahl des Ex-Bischofs Fernando Lugo hat sich nun auch Paraguay in den Club der linken und sozialdemokratischen Regierungen Südamerikas eingereiht. Noch muss sich zeigen, ob Ex-Bischof Fernando Lugo und seine ideologisch breitgefächerte „Patriotische Allianz für den Wechsel“ eher eine Regierung im Stile des linkspopulistischen Venezolaners Hugo Chavez oder einen gemäßigten sozialdemokratischen Kurs wie im Nachbarland Brasilien anstreben.

Doch der Machtwechsel ist in jedem Fall eine gute Nachricht. Er ist ein Sieg der Demokratie über den mächtigen und korrupten Parteiapparat des Partido Colorado – bisher neben der Peronistischen Partei in Argentinien der letzte regierende Dinosaurier Südamerikas, der noch aus der Zeit der Industrialisierung, der Importsubstitution und des Autoritarismus der 50er- und 60er-Jahre überlebt hat. Der enorme Filz, der sich in den 61 Jahren Herrschaft des Partido Colorado aufgebaut hatte, kann nun langsam aufgebrochen werden. Auch die wirtschaftspolitischen Pläne des Befreiungstheologen Lugo klingen vernünftig. Die versprochene Landreform ist grundsätzlich sinnvoll angesichts der Tatsache, dass 80 Prozent des Landes von zwei Prozent der Bevölkerung kontrolliert werden.

Weiterhin will Lugo den Vertrag über das binationale Wasserkraftwerk Itaipu zwischen Paraguay und Brasilien neu verhandeln, der 1973 geschlossen wurde. Gelingt es, in freundschaftlichen Verhandlungen mit Brasilien eine bessere Regelung zu erreichen und so Geld für Sozialpolitik in die Kassen zu spülen, wäre das ein Erfolg. Brasilien sowie auch die anderen sozialdemokratischen Regierungen Lateinamerikas dürften Interesse haben, Lugo unter die Arme zu greifen und das kleine Mercosur-Land zu stabilisieren.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

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