Parmalat: Kommentar: Schwarze Löcher

Parmalat
Kommentar: Schwarze Löcher

Parmalat wird zum größten Finanzskandal in der europäischen Unternehmensgeschichte. Ganz ohne fremde Hilfe hat der Pleitekonzern sein fiktives Vermögen nicht erstellen können.

Parmalat wird zum größten Finanzskandal in der europäischen Unternehmensgeschichte. Ganz ohne fremde Hilfe hat der Pleitekonzern sein fiktives Vermögen nicht erstellen können. Wieder einmal stehen die Banken am Pranger, fragen sich Staatsanwälte und Börsenaufseher, wie es sein kann, dass erfahrene Finanzprofis, die täglich mit Milliarden Euro jonglieren, so dreisten Betrügereien auf den Leim gehen.

Die Liste der Banken, die Parmalat bei der Anhäufung von Milliardenschulden halfen und im Gegenzug Millionengagen kassierten, liest sich wie das „Who’s who“ der Geldbranche: Citigroup, Morgan Stanley, JP Morgan Chase, Sanpaolo Imi, Banca Intesa und die Deutsche Bank. Die Antwort der Finanzelite auf die kritischen Fragen fällt simpel aus: „Wenn Manager kriminelle Energie entwickeln, dann ist man als Außenstehender machtlos.“ Doch damit machen es sich die Geldhäuser viel zu leicht.

Liegt nicht vielmehr der Verdacht nahe, dass einige Banken auch im Fall Parmalat halfen, die Techniken und Kniffe zu entwickeln, die den Betrug erst möglich machten? Ähnlich wie Enron haben auch die Parmalat-Manager ein komplexes Netz aus Firmen und Finanzvehikeln gesponnen, um darin Verluste und Schulden zu verstecken. Da ist zum Beispiel die weltgrößte Bank Citigroup, die schon bei Enron eine unrühmliche Rolle spielte. Auch an ihren italienischen Kunden haben die Citibanker nicht einfach Geld verliehen. Nein, um Kapital in den Parmalat-Konzern zu schleusen, gründete das Geldhaus eigens eine Firma, deren Name das Motto für den gesamten Skandal sein könnte: „Buconero“, auf Deutsch „schwarzes Loch“.

Solche Löcher gab es reichlich in den Bilanzen von Parmalat. Und es gab verräterische Zeichen, die auch bei gutgläubigen Banken Alarm hätten auslösen können. Eine der Fragen, die sich die Institute hätten stellen müssen: Warum häuft eine Firma, die angeblich über vier Milliarden Euro liquide Mittel verfügt, immer neue Schulden an?

Finanzmärkte folgen nicht moralischen Maßstäben, sondern stehen in einem labilen Gleichgewicht zwischen Angst und Gier. Der Parmalat-Skandal zeigt, dass die Gier nicht nur in Zeiten des Börsenbooms schnell die Überhand gewinnen kann.

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