Partei-Kampagnen
Wahlplakate: Floskeln und Phrasen ohne Biss

Platte Slogans, blasse Farben - die Wahlplakate 2005 reißen die wenigsten Bürger vom Hocker. Grafik- und Werbeexperten erinnert die Wähleranspache einiger Parteien eher an "Babyartikel und Feinwaschmittel". Auch das Ausland spottet über einen Wahlkampf, dem es "an Pfeffer fehlt".

HB BERLIN. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG vertraten 77 Prozent die Ansicht, dass sich die Parteien die Plakatwerbung komplett sparen könnten. "Die Ergebnisse belegen, dass der Wahlkampf bisher überhaupt nicht den inhaltlichen Erwartungen der Bürger entspricht", bilanzierte der Vorstandssprecher von Innofact, Karsten Polthier. "Vor allem wird nach Meinung der Befragten zu viel über die Fehler der anderen und zu wenig über konkrete Wege aus der Krise gesprochen."

Fast drei Viertel vermissten konkrete Lösungsvorschläge für die zukünftigen Aufgaben in Deutschland, berichtete das Institut am Dienstag in Düsseldorf. 63 Prozent stellten fest, der bisherige Wahlkampf habe ihnen keine Orientierung gegeben, welche Partei sie am 18. September wählen sollen.

Auch der Plakatforscher Klaus Grözinger lässt kein gutes Haar an der Kreativleitung der Parteien. In der Informationsfülle des städtischen Lebens könnten sich nur "plakative, physische Reizen wie kräftige Farben und prägnante Slogans" durchsetzen, sagte der emeritierte Professor an der Braunschweiger Hochschule für Bildende Kunst.

"Das liest kein Mensch"

Vor allem die Kampagne der Union sei "flau". Ihr bevorzugter Farbton Orange erinnere stark an "Babyartikel und Feinwaschmittel". Lobend äußerte sich der Wissenschaftler hingegen über die großflächigen Plakate der SPD mit dem Konterfei von Bundeskanzler Gerhard Schröder in verschiedenen Redeposen. "Die sind sehr gelungen." Der in Großbuchstaben gedruckte Text sei aber für Autofahrer kaum lesbar.

Die Plakate der Grünen versteckten die Botschaft eher als sie zu vermitteln: "Die überdimensionalen Prozentzahlen erinnern eher an die Werbung für den Sommerschlussverkauf." Gut lesbar und visuell ansprechend hingegen sei das Konzept der Linkspartei, meinte der Wissenschaftler. "Aber die Texte sind platt und außerdem zu klein. "Das liest kein Mensch."

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