Partei-Stimmen zur Wahl
„Rot-Grün ist abgewählt, und das ist eine gute Nachricht"

In den ersten Hochrechnungen hatten sowohl ein Koalition aus Union und FDP wie auch die Regierungskoalition aus Grüne und SPD eine Mehrheit verfehlt. Lesen Sie hier die ersten Reaktionen von Vertretern der Parteien:

"In diesem bis zuletzt spannenden Wahlkampf haben wir viele Menschen überzeugt", sagte SPD-Chef Franz Müntefering am Sonntagabend. "Das Land will Gerhard Schröder als Bundeskanzler haben", sagte Müntefering. Eine Koalition mit der Linkspartei lehnte er ab. Mit seiner Aussage sprach er die Möglichkeit einer Ampel-Koalition an. Das Ergebnis der Union sei eine persönliche Niederlage für Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel, sagte Müntefering. Sie habe die CDU in "die Westerwelle-Ecke" geführt. "Und da haben sich einige für das Original entschieden." "Die Menschen haben Vertrauen zu Gerhard Schröder, sie haben kein Vertrauen zu Frau Merkel." Das Ergebnis sei ein Riesenerfolg für Gerhard Schröder und die Sozialdemokratie.

"CDU und CSU sind die stärkste Kraft, die Union hat damit einen klaren Auftrag, eine Regierung zu bilden", sagte Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel am Sonntag in ihrer ersten Bewertung des Wahlergebnisses. Mit wem sie gedenkt, Gespräche über eine Regierungsbildung zu beginnen, deutete sie nicht an. Sie bekräftigte nur: "Rot-Grün ist abgewählt, und das ist eine gute Nachricht. Jetzt geht es darum, für die Menschen in Deutschland eine stabile Regierung zu bilden, und dazu haben wir - CDU und CSU - ganz eindeutig den Auftrag." Sie fügte hinzu: "Ich werde diesen Auftrag mit aller Kraft annehmen." Die CDU-Vorsitzende will nach der Wahl mit allen anderen Parteien außer der Linkspartei Gespräche führen. "Wir sind stärkste Kraft und wollen die Regierungsbildung übernehmen", sagte Merkel am Sonntagabend im ZDF. Man müsse "ausloten, welche Möglichkeiten sich ergeben". Sie fügte hinzu: "Jetzt gehen wir das mal ganz ruhig und gelassen an."

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat angekündigt, die Union werde auch mit den Grünen über eine möglich schwarz-grüne Koalition sprechen. Die Union werde mit allen reden, auch mit den Grünen, sagte Stoiber am Sonntag in der ARD. Zuvor hatte er erklärt, Angela Merkel werde mit allen außer der Linkspartei reden. "Die stärkste Fraktion wird Gespräche führen und dann werden wir sehen, ob wir eine stabile Regierung unter Frau Merkel zustande bringen", sagte Stoiber. Die CSU, "die wiederum ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt hat", werde sie unterstützen.

CSU-Generalsekretär Markus Söder hat das Ergebnis der Bundestagswahl als "klaren Regierungsauftrag für die Union" gewertet. Den Prognosen zufolge sei die amtierende Bundesregierung abgewählt, sagte Söder am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. "Damit ist das rot-grüne Kapitel für Deutschland erledigt." Die Union sei stärkste Kraft. Zur Zukunft von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wollte er sich nicht äußern.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hat die CDU - Vorsitzende Angela Merkel als Wahlsiegerin bezeichnet. "Schröder hat keine Mehrheit und Merkel hat die Wahl gewonnen", sagte Glos am Sonntagabend im ZDF. Die Union werde jetzt sondieren, mit wem eine Regierung gebildet werden könne.

Nach den ersten Hochrechnungen ist eine Diskussion über eine große Koalition nach Ansicht von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus noch zu früh. "Das ist jetzt zu früh", sagte der CDU-Politiker Althaus der ARD am Sonntag auf die Frage nach einer großen Koalition aus Union und SPD. "Ich glaube, dass die große Koalition ein großes Problem hätte: Sie müsste auf zu kleinem Nenner die Lösungen versuchen." Althaus sagte, auch für eine Diskussion über die Zukunft von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel sei es noch zu früh.

Der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz ist mit dem Wahlergebnis der Union nicht zufrieden. "Ein schwerer Tag für die Union und ein sicherlich nicht ganz einfacher Tag für das Land", sagte Merz am Sonntagabend in Meschede in Nordrhein-Westfalen. Die Regierungsbildung werde extrem schwierig. Zudem kritisierte Merz die Wahlkampf-Strategie. "Der ganze Wahlkampf ist sicherlich nicht optimal geführt worden", meinte Merz. Der Bundestagsabgeordnete war zuletzt für eine Spitzenamt gehandelt worden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat nach den ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl ein rot-rot-grünes Bündnis ausgeschlossen. "Für uns ist ganz klar: Mit der Linkspartei gibt es keine Koalitionsmöglichkeit", sagte Wowereit am Sonntagabend in der ARD. Man werde sehen müssen, wie eine neue Bundesregierung gebildet werden könne. Im Land Berlin regiert Wowereits SPD in einer Koalition mit der Linkspartei.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager geht davon aus, dass ihre Partei in der nächsten Legislaturperiode auf der Oppositionsbank Platz nehmen wird. "Darauf sind wir eingestellt", sagte Sager am Sonntag im ZDF nach der ersten Hochrechnung. Jetzt komme es jedoch darauf an, was die großen Parteien CDU/CSU und SPD unternähmen. Mit dem Grünen-Ergebnis zeigte sie sich zufrieden. "Wir haben sehr kämpfen müssen." Das Ergebnis zeige aber, dass die Grünen - Themen wichtig seien.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth hat das Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl als "Super-Ergebnis" bewertet. "Wir wollten diese Wahl ja gar nicht, das war Wahlkampf unter schwierigsten Bedingungen", sagte Roth am Sonntagabend dem Bayerischen Fernsehen. "Jetzt sind die anderen dran und müssen sagen, wie es weiter geht." Das schwache Abschneiden der Union sei ein klares "Nein zu Sozialabbau und Nein zum Schleifen von Arbeitnehmerrechten".

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hat eine Ampelkoalition ausgeschlossen. "Wir werden unseren Kurs klar fortsetzen. Wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht, dann in der Opposition", sagte der FDP-Politiker am Sonntag in Berlin. "Ich freue mich, dass wir eines der besten Ergebnisse der Freien Demokraten feiern dürfen." Die FDP sei der Wahlsieger des Tages.

Die FDP steht nach den Worten von FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen ablehnend gegenüber. Van Essen sagte am Sonntag in der ARD, er freue sich darüber, dass die Liberalen eines ihrer besten Ergebnisse bei einer Bundestagswahl eingefahren hätten. "Wir haben in diesem Wahlkampf keine Fehler gemacht", sagte van Essen zum guten Abschneiden seiner Partei.

Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi hat das Abschneiden seiner Partei als großen Sieg bezeichnet. "Deutschland verändert sich, und zwar durch uns", sagte Gysi am Sonntagabend in Berlin. "Die bisherige Regierung ist abgewählt, und eine Schwarz- Gelbe ist nicht gewählt worden", fügte er hinzu. Seit Anfang der 50er Jahre sei erstmals "eine ernst zu nehmende Linkskraft links von der SPD" gewählt worden.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky , hat eine Koalition mit SPD und Grünen ausgeschlossen. "Wir können mit keiner Partei, die den Kurs der Agenda 2010 verfolgt, koalieren", sagte Bisky am Sonntagabend bei der Wahlparty der in Linkspartei umbenannten PDS. Zu dem verfehlten Wahlziel, drittstärkste Kraft zu werden, sagte er: "Wir sind drin." Die Linkspartei habe es gemeinsam mit der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) geschafft, eine schwarz-gelbe Koalition zu verhindern.

Die Linkspartei geht nach den Worten des WASG-Vorstands Klaus Ernst in die Opposition. "Wir bleiben bei unserer Position, wir werden in diesem Bundestag Opposition sein", sagte Ernst am Sonntagabend im ZDF. Damit erteilte er einer Koalition mit SPD und Grünen eine Absage. Diese hätten ihre alte Politik zur Wahl gestellt.

Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Oskar Lafontaine , sieht in dem Wahlergebnis seiner Partei ein eindeutiges Votum der Bevölkerung gegen den Sozialabbau. "Das Volk lehnt die Politik des Sozialabbaus und der Umverteilung von unten nach oben ab, nur weil wir angetreten sind", sagte Lafontaine bei der Wahlparty der Linkspartei und der WASG. Er forderte die Gewerkschaften auf, seine Partei zu unterstützen. "Die Linke hat in Deutschland wieder eine Chance."

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