Parteien
Schwarze Mamba und rotfelliger Brummbär

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Zoologen kennen die kuriosen Unterschiede im Jagdverhalten der schwarzen Mamba und des rotfelligen Braunbären. Die Mamba liegt lange geduldig und unscheinbar auf der Lauer, lässt die Beute herankommen und schlägt blitzschnell zu, wenn diese nicht mehr entkommen kann. Der Bär brummt vor seinem Loch und gibt lauthals zu verstehen, dass er der Mächtigste im Revier sei. Beutetiere fliehen, und der Dickfellige muss sich mit schwer verdaulichen Vogelbeeren begnügen.

Parteiforscher verfolgen gerade fasziniert die Unterschiede im Paarungsverhalten von CDU und SPD. Die CDU hat sich in Hamburg leise wie eine Mamba an die Grünen herangeschlängelt, um eine artübergreifende Verbindung zu stiften. Klappt das, hätten die Schwarzen ihre politischen Spielräume und Bündnismöglichkeiten beträchtlich erweitert: ganz ohne großes Getöse und ohne gefährliche Spannungen im eigenen Lager zu provozieren.

Bei der SPD läuft es umgekehrt: Sie fühlte sich nach der Hessen-Wahl bärenstark, pochte auf ihren vermeintlichen Sieg und Führungsanspruch. Der lässt sich nur so einfach nicht realisieren, weil der Fast-Wahlverlierer Koch die Nerven behält und seine Niederlage einfach aussitzt.

Beck und Ypsilanti mangelt es in dieser Situation an Kaltblütigkeit und strategischem Verstand: Sie bauen keinen Druck gegen Koch auf, sondern wanzen sich an die Linkspartei heran, im Glauben, damit die eigene Machtperspektive zu erweitern. Irrtum: Die SPD-Führung schränkt sie so nur ein. Sie sitzt nun an einem viel kürzeren Hebel, weil große Teile nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch der eigenen Partei Becks Schwenk als ruchlos ansehen. Mittlerweile sprechen sogar die ersten Spitzengenossen aus, dass die Wahl 2009 verlorengehen könnte. Aus einem Braunbären wird eben keine Mamba.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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