Parteienfinanzierung
Unehrenhaftes Ende

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Unehrenhaft aus der Politik ausgeschieden war Manfred Kanther schon lange vor dem gestrigen Urteilsspruch. Wegen der von ihm geführten schwarzen Kasse erhält er eine Geldstrafe. Und was gibt es für einen Parteisoldaten Schlimmeres als ein solch schmachvolles Ende der lebenslangen Dienstfahrt? Wohl nur die ursprüngliche Strafe, die Verurteilung des ehemaligen Innenministers zu eineinhalb Jahren auf Bewährung, die nun aus der Welt geschaffen wurde.

So lindert das Urteil zwar die öffentliche Schmach des einst so toughen Law-and-Order-Ministers von Kohls Gnaden. Doch der Name des Mannes, bei dem der stets so akkurat gezogene Scheitel offenkundig so wenig über sein akkurates Handeln als CDU-Generalsekretär in Hessen aussagte, bleibt für alle Zeiten unauflösbar mit den finsteren Machenschaften der CDU und ihres damaligen Vorsitzenden Helmut Kohl verbunden. Das Urteil bedeutet weder eine Ehrenrettung des über Jahrzehnte konspirativ hinter dem Rücken der Partei arbeitenden Kanthers noch das Verschwinden des CDU-Skandals in der Mottenkiste der Republik. Denn es stellt rechtskräftig fest, dass hier keine politische Dummheit begangen wurde, sondern Untreue.

Noch immer ist nicht geklärt, woher Kohl die Millionen nahm, mit denen er seine inoffizielle Politik betrieb. Noch immer schweigen Mitwisser und Betreiber des Labyrinths der schwarzen Kassen, die in der Schweiz und in Liechtenstein angelegt worden waren, damit nichts vom heimlichen Fonds der CDU zu erfahren war. Kanther bleibt in der Erinnerung als Parteisoldat im schlechtesten Sinne des Wortes, einer, der selbstgerecht die Organisation über demokratische Prinzipien gesetzt hat. Das wiegt weitaus schwerer als die 54 000 Euro, zu denen er gestern verurteilt wurde.

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