Paul Achleitner und die Deutsche Bank
Die Stunde des Aufsichtsrats

Das Führungsduo an der Spitze der Deutschen Bank meldet wieder einen Quartalsverlust. Der vielbeschworene Kulturwandel greift nicht. Es schlägt die Stunde des Aufsichtsrats. Ein Kommentar.
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Wer führt die Deutsche Bank? Wer hat dieses einzige deutsche wirklich weltweit arbeitende Geldhaus so im Griff, dass von einer Strategie und Führung die Rede sein kann? Wer heute darauf eine Antwort haben will, kommt an dem Namen Paul Achleitner nicht vorbei. Der Aufsichtsratschef ist derzeit die einzige Figur, die glaubhaft die Fäden in den Händen hält.

Eigentlich hat die Deutsche Bank nach dem Abgang von Josef Ackermann nicht nur einen Chef, sondern gleich dessen zwei: Anshu Jain und Jürgen Fitschen bilden ein gleichberechtigtes Duo, das allerdings nicht doppelte Stärke, sondern im Jahr drei dieser Konstellation eher doppelte Schwäche offenbart. Die beiden haben heute den dritten Quartalsverlust in ihrer Amtszeit erklären müssen. Die Ergebnisse passen überhaupt nicht zum Selbstverständnis der Deutschen Bank, die den Ehrgeiz hat, stets Klassenbester zu sein. „Ich würde mich schämen, Staatsgeld anzunehmen“, ist ein Satz, der dem Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zugeschrieben wird und die Selbsteinschätzung der Deutsch-Banker korrekt wiedergibt. Zum dritten Mal ein Minus vor dem Ergebnis passt dagegen schlecht zu den Blaumännern aus Frankfurt.

Als ärgste Belastung erweisen sich immer mehr die Risiken aus den mehr als 6000 Prozessen, die die Bank führen muss. Um es spöttisch zu sagen: Die Deutsche Bank ist inzwischen eine Anwaltskanzlei mit angeschlossenem Investmentbanking. Das Führungsduo hat diese Belastung zwar einkalkuliert, sich in ihrer Dimension jedoch regelmäßig verschätzt. Damit nicht genug: Als Gegenmaßnahme haben Jain und Fitschen den Kulturwandel propagiert, eine andere Geisteshaltung in der Bank also, die dazu beitragen soll, dass das Unternehmen sich nicht immer wieder in Rechtsfragen verheddert. Man könnte es auch schlicht mehr Anstand nennen, was die beiden Chefs da verlangen.

Kommentare zu " Paul Achleitner und die Deutsche Bank: Die Stunde des Aufsichtsrats"

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  • Lese ich da Kulturwandel?
    Ja, Tatsächlich!
    Will man denn nicht mehr mittlere oder größere Konzerne in die Pleite helfen wie bei Kirch oder Walter Bau um sie
    danach mit gigantischen Gewinnen zu filetieren?
    Das glaube ich erst, wenn ich es sehe!

  • Ach ja, wie war das noch einmal mit dem zweiten Suizid eines mit Problemen der Deutschen Bank in New York betrauten Anwalts?

    Ich habe hier bei HANDELSBLATT-Online nichts Gelsen. Habe ich dies etwa überlesen.

    Offensichtlich ist mehr Feuer in der Küche als der Qualm uns verraten will.

  • Joe und Anshu waren Super-Chefs. Haben einem alles beigebracht was man(n) braucht zum Geld verdienen. Scheiß was auf den Kulturwandel. Das Investmentbanking muss liefern, denn es ist Kernstück der Deutschen Bank. Das dämliche Retailgeschäft, oder auch auch Boring-Banking genannt, interessiert sowieso keinen Menschen.

    Btw, hatte nicht Schenck noch vor ein paar Monaten angedeutet, dass es angeblich besser wäre in der " Realwirtschaft " zu arbeiten. So schnell kann man seine Meinung ändern .....


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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