Pharmaindustrie
Kommentar: Kraftakt in Darmstadt

Seit über einem Jahrzehnt wird über eine Konsolidierung in der deutschen Pharmabranche und den Aufbau eines nationalen Champions spekuliert. Ernsthaft passiert ist nichts. Umso mutiger erscheint der Vorstoß der Merck-Gruppe, die eine feindliche Übernahme der Berliner Schering AG versucht.

Kommt der Darmstädter Konzern bei Schering tatsächlich zum Zuge, wäre dies die erste große Fusion innerhalb der deutschen Pharmabranche. Es entstünde ein Konzern, der zum Kristallisationskern für einen noch größeren Akteur im Pharmageschäft werden könnte. Gemessen an der Entwicklung in Nachbarländern wie Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz, ist eine solche Konsolidierung innerhalb der deutschen Pharmabranche überfällig.

Andererseits bleiben viele Gründe, die eine solche Entwicklung bislang verhinderten, weiterhin wirksam. Die Kombination von zwei mittelgroßen deutschen Firmen ergibt deshalb nicht automatisch einen international konkurrenzfähigen Konzern. Die Ertragskraft der deutschen Hersteller ist im internationalen Vergleich nach wie vor niedrig, die Restrukturierung der Inlandsaktivitäten schwierig. Auch die Eigentümer-Verhältnisse machen eine Konsolidierung schwierig. Die Produktpaletten passen nur bedingt zueinander.

Auch Merck muss für eine Schering-Übernahme erhebliche finanzielle Risiken meistern. Will die Gründerfamilie tatsächlich das Heft in der Hand behalten, muss sie den Löwenanteil des Kaufpreises über Kredite finanzieren. Es entstünde ein Konzern mit einer breiten Palette an Pharmaaktivitäten, relativ hoher Verschuldung und einer eher mittelprächtigen Forschung. Wie soll die gestärkt werden, wo sollen die Ressourcen dafür herkommen? Das wäre vermutlich nur über erhebliche Desinvestitionen möglich.

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