Pharmaindustrie
Unter Verdacht

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Nur wenige Branchen haben einen so schlechten Ruf wie die pharmazeutische Industrie. Ausgerechnet jene Manager, die sich der Gesundheit ihrer Kunden verschrieben haben, werden von diesen oft als skrupellose Raffzähne wahrgenommen, die sich im Verbund mit anderen Schergen – den Ärzten – auf Kosten der Kranken eine goldene Nase verdienen. Wie bei allen Vorurteilen, trifft auch dieses in seiner Verallgemeinerung nicht ganz zu. Und doch stehen in der Pharmabranche immer wieder Fragen im Raum, auf die auch die hoch bezahlten und zahlreichen Lobbyisten keine Antwort geben können.

Wie zum Beispiel gelangen Dutzende von quietschfidelen Sportlern offenbar problemlos an Medikamente, die für schwerkranke Nieren- und Krebspatienten vorgesehen sind? Zwischen dem erfolgshungrigen Radler und dem Epo stehen Ärzte, Apotheker, Großhändler und Hersteller. Kann es sein, dass hier ein System des Missbrauchs existiert, bei dem alle Beteiligten stillschweigend mitmachen und kassieren? Es kann nicht nur sein, es ist so, sagt Peter Rost, der Ex-Marketingchef des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer. Der Manager geht sogar noch weiter: Ein geheilter Patient sei für die Industrie viel weniger attraktiv als ein chronisch Kranker. Genau aus diesem Grund seien wirkliche Durchbrüche in der Medizin seit Jahrzehnten nicht mehr gemeldet worden .

So zeichnet sich ein Bild, das einen krank machen kann. Wenn Pharmaunternehmen sich bemühen, immer höher dosierte Medikamente an immer mehr Patienten zu verabreichen, dann geschieht dies nicht aus ethischen, sondern aus kurzsichtigen egoistischen Motiven. Die Gesundheitssysteme werden unter dieser Praxis bald zusammenbrechen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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