Pharmaindustrie
Viel Lärm um wenig

Zugegeben, das Erregungspotenzial der Gesundheitsreform ist sehr hoch, die Ablehnungsfront gewaltig. In diese reiht sich nun auch die pharmazeutische Industrie ein.

Sie beklagt sich darüber, dass sie künftig ihre bislang geheim gehaltene Preiskalkulation offen legen müsse, um die im Reformgesetz vorgesehene Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Medikamente zu ermöglichen. Gerechtfertigt ist solche Kritik allerdings nicht.

Die Bundesregierung plant, auf der Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse Höchstpreise festzulegen, die die Kassen maximal für ein neues Medikament bezahlen sollen. Um diese Bewertung sauber durchführen zu können, wünscht sie sich von der Industrie die erforderlichen Daten. Doch der Gesetzentwurf sieht ausdrücklich vor, dass sich die Unternehmen und das für die Bewertung zuständige Institut auch ohne Hinzuziehung von Geschäftsinterna über den Höchstpreis verständigen können. Laut Begründung des Gesetzentwurfs ist dies sogar das favorisierte Modell. Selbst wenn es einen Zwang zur Offenlegung gegenüber der Behörde gäbe, wäre dies nicht der Untergang des Abendlandes. In Großbritannien und Frankreich legt die Industrie zum Teil seit Jahrzehnten ihre Zahlen auf den Tisch, wenn sie über die Preise ihrer Produkte für die Sozialversicherten verhandelt.

Auch vor den neuen Erstattungshöchstpreisen muss sich die Industrie kaum fürchten. Denn diese könnten sich als Papiertiger erweisen. Der Versicherte muss die Differenz zwischen dem Marktpreis der Innovation und dem staatlichen Höchstpreis zwar aus eigener Tasche zahlen. Doch fällt diese Zahlungspflicht unter die Überforderungsgrenze von zwei bzw. einem Prozent des Einkommens bei chronisch Kranken. Und diese Marken überschreiten die meisten Patienten schon mit Praxisgebühr und Zuzahlungen. Also werden die meisten Innovationen auch künftig von der Kasse voll erstattet.

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