Pin Group
Kommentar: Insolvenz wahrscheinlich

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Nach dem Absprung von Thiel rückt die Insolvenz für die Pin Group der Zeitungsverleger in greifbare Nähe. Denn Mehrheitsgesellschafter Axel Springer hatte den Geldhahn bereits zugedreht, nachdem der Bundestag am vergangenen Freitag den Mindestlohn für Briefträger auf den Weg gebracht hatte. Thiel wollte Pin allerdings für "lau". Einen Euro war ihm die Übernahme des Unternehmens wert, das er selber leitete. Das will Springer offenbar nicht mitmachen.

Der Verlag hat insgesamt 700 Millionen Euro in das Abenteuer Briefgeschäft gesteckt. Pin schreibt aber hohe Verluste, hat hohe Schulden und kann die Löhne der 9000 Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Pin ist wohl auch nicht mehr als einen Euro wert. Immerhin wollte Thiel etwa 60 Millionen Euro frisches Geld in das Unternehmen stecken. Damit hätte er Zeit gewonnen, um weitere Investoren für einen Einstieg zu begeistern. Allerdings kommt das Geld sozusagen auch von Springer. Denn Thiel hatte Springer, wie die Mitgesellschafter WAZ und Holtzbrinck auch, Anteile im gleichen Wert verkauft.

Der Rückzug Thiels lässt daher auch Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines Übernahmeangebots aufkommen. Offenbar war ihm das Risiko dann doch zu hoch, Pin quasi im Alleingang zu sanieren. Zumal Springer nicht bereit war, alle Altlasten zu tragen.

Schaut man ein wenig zurück, tun sich durchaus Parallelen zu Thiels Ex-Unternehmen Thiel Logistik auf. Dort ist Thiel ebenfalls mit hohem Gewinn rechtzeitig ausgesteigen. An der Sanierung des Gemischtwarenladens arbeitet sich der Käufer, die Quandt-Familie, heute noch ab. Thiel Logistik galt eine Zeitlang als Superstar des inzwischen wieder abgeschafften Börsensegments "Neuer Markt". Pläne, Ankündigungen und Umsatzrekorde begeisterten damals die Anleger und ließen den Kurs explodieren. Die Forstetzung ist bekannt.

Nun droht Pin die Insolvenz. Das bedeutet aber nicht das Aus. Die Verleger werden ihre Beteiligungen retten wollen. Denkbar wäre eine Rückabwicklung, die Verleger nehmen ihre in die Pin eingebrachten Zustelldienste zurück, oder aber eine Fortführung der Pin als Gruppe regionaler Briefzustelldienste, sozusagen auf Sparflamme. Damit ist aber auch das Geschäftsmodell der Pin gescheitert, der Deutschen Post auf nationaler Ebene Konkurrenz zu machen

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