Polen
Kommentare: Die richtigen Worte

Gerhard Schröder hat die richtigen Worte gefunden. Seine deutliche Absage an Entschädigungsansprüche von Deutschen gegenüber Polen und die Ablehnung des Projekts eines Zentrums gegen Vertreibung entsprachen genau dem, was viele Polen vom deutschen Kanzler an diesem Wochenende hören wollten.

Seit Tagen wurde an der Warschau-Rede des Kanzlers gearbeitet. Sie sollte sich einfügen in die Ansprache Schröders zum 60. Jahrestag des 20. Juli im Bendler-Block in Berlin. Ihr Tenor: Der Widerstand in Deutschland und Polen gegen die Nazi- Herrschaft ist ein Grundstein für das neue, erweiterte Europa. Und sie sollte an die großen Versöhnungs- und Aussöhnungsgesten der deutsch-polnischen Nachkriegsgeschichte anknüpfen: an den ersten Auslandsbesuch des neuen Bundespräsidenten Horst Köhler in Polen vor wenigen Wochen, an die Visite von Bundespräsident Roman Herzog in Warschau vor genau zehn Jahren zum selben Anlass, an die symbolische Umarmung der beiden früheren Regierungschefs Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki in Kreisau, dem Zentrum der Widerstandsgruppe gegen Hitler, im Jahr 1989 und natürlich an den mit noch viel mehr Symbolik behafteten Kniefall Willy Brandts im Jahr 1970. Das alles ist Schröder gelungen.

Noch mehr: Die Einladung nach Warschau reiht sich ein in die Feierlichkeiten der Sieger-Alliierten in der Normandie vor wenigen Wochen, an denen erstmals ein deutscher Kanzler teilnahm. Im nächsten Jahr fährt Schröder nach Moskau, um an den dortigen Feiern zum 60. Jahrestag des Kriegsendes teilzunehmen. Ausgerechnet Schröder, der zu Beginn seiner ersten Amtszeit ein Bekenntnis zur eigenen „Geschichtslosigkeit“ ablegte, beendet so offiziell Deutschlands Nachkriegszeit. Vielleicht ist dies mehr als eine Ironie der Geschichte.

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