Porsche
Der Tabubrecher

Nun hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Streit mit der Deutschen Börse über die Quartalsberichterstattung eine Niederlage kassiert. Das Hessische Verwaltungsgericht wies das von Porsche angestrengte Normenkontrollverfahren gegen die Vorschriften der Börse zurück. Damit bleibt dem notorischen Quartalsverweigerer vorläufig der Weg in den Deutschen Aktienindex versperrt.

Aber das kann einen Wiedeking nicht erschüttern. Immerhin ließ das Gericht die Möglichkeit für eine Revision zu, die die Zuffenhausener jetzt fleißig prüfen. Ein Wiedeking ließe sich wohl nur von den höchsten deutschen Verwaltungsrichtern in Leipzig in die Schranken weisen – wenn überhaupt. Der Westfale hält eben das Aufbereiten der Daten alle drei Monate für überflüssig. Allein die mögliche Aufnahme in den Dax verlieh der Porsche-Aktie in den vergangenen Tagen Flügel. Nach der Niederlage brach der Kurs wieder ein. Ein rasanter Porsche-Kurs mehrt nicht nur den Wohlstand der Porsche-Familie, sondern würde bei der durchaus möglichen Kapitalerhöhung dem Sportwagenbauer noch mehr Geld in die Kassen spülen. Geld, das bei Bedarf für die Aufstockung der VW-Beteiligung verwendet werden könnte.

„Wir bei Porsche sind pragmatisch“, sagt Wiedeking gerne. Und das heißt nicht weniger, als dass es kein Tabu gibt, wenn es die Situation erfordert. Je hartnäckiger Porsche am Tabu der Quartalsberichte festhält, desto freier ist Wiedeking im Zeitpunkt, es zu brechen. Die cleveren Schwaben halten einen riesigen Hebel für die eigene Aktie selbst in der Hand. So etwas liebt Wiedeking. Er hatte ja auch kein Problem, sein David-Prinzip vom kleinen Konzern so lange öffentlich zum Dogma zu erheben, bis Porsche VW kaperte und in eine neue Dimension aufstieg. Auch bei den Quartalsberichten wird es wieder eine Überraschung geben. Früher oder später – jede Wette.

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