Porsche
Kommentar: Selbsterfüllte Prophezeiung

Die Musik in der deutschen Autoindustrie spielt derzeit in Zuffenhausen und nicht in Untertürkheim. Was Porsche in den vergangenen beiden Jahren abgezogen hat, ist ganz großes Kino.

STUTTGART. Während Daimler nach der Trennung von Chrysler mit den Gewinnen von Mercedes nichts besseres anzufangen weiß, als für sieben Mrd. Euro Aktien zurückzukaufen, verleibt sich Porsche langsam aber sicher Europas größten Autokonzern VW ein. Vergleichbares ist in der deutschen Wirtschaftsgeschichte nur schwer zu finden. Der Einstieg bei VW vor zwei Jahren war ebenso minutiös geplant wie die schrittweise Aufstockung der Anteile.

Ähnlich einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung ist die Rechnung jetzt aufgegangen. 3,6 Mrd. Euro haben Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter mit Aktienoptionsgeschäften im VW-Deal allein in diesem Jahr verdient. Das Kalkül, dass der Einstieg bei VW Kursanstiege der Aktie auslösen würde, ging auf. Mit dem Timing dieser Geschäfte hat Finanzchef Härter die Gelddruckmaschine in Zuffenhausen angeworfen.

Aber das ist nicht alles. Alle strategischen Annahmen trafen ein, wie etwa der Fall des VW-Gesetzes. Damit ist der Weg frei für die Mehrheitsübernahme. Der gesamte VW-Konzern ist derzeit 51 Mrd. Euro an der Börse wert. Gut 30 Prozent besitzt Porsche schon. Dann brauchen die Zuffenhausener für eine Aufstockung auf über 50 Prozent noch 10 Mrd. Euro. Die Aktien jetzt zu splitten könnte ein weiterer Schritt sein, der eine mögliche Kapitalerhöhung erleichtert.

Den Vorratsbeschluss dafür hat die Hauptversammlung bereits abgesegnet. So könnten die Vorzugsaktionäre, die in der Vergangenheit gut mit der Porsche -Aktie verdienten, diese Zeche gleich mitbezahlen. Aber so wie es derzeit aussieht, braucht Porsche das Geld der Aktionäre gar nicht, um VW zu kaufen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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