Porsche/VW
Im Machtpoker kennt Piëch keine Verwandten

Die wohl spektakulärste Übernahme der deutschen Nachkriegsgeschichte droht an Familienstreitigkeiten zu scheitern. Von außen war die Übernahme von VW durch Porsche nicht mehr zu gefährden. Jetzt ist der Milliardencoup, kurz bevor Porsche im November auf über 50 Prozent bei VW aufstocken will, wieder in Frage gestellt.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch stellt sich quer. Er, dem selbst rund 13 Prozent der Porsche-Anteile gehören, ist damit untragbar für die Familie geworden. Es droht eine Hängepartie, die Europas größten Autokonzern lähmt. Der Schaden ist jetzt schon gewaltig und wird immer größer.

Meisterhaft hatte sich der kleine Sportwagenbauer Porsche im September 2005 an Volkswagen herangepirscht und die durch Optionsgeschäfte sich quasi selbst finanzierende Übernahme eingefädelt. Die Verschwiegenheit und das nach außen geschlossene Auftreten der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch waren das Erfolgsgeheimnis des Coups in den ersten beiden Jahren.

Aber danach ist ausgerechnet Ferdinand Piëch ausgeschert. Seit einem Jahr hintertreibt er die Machtübernahme von Porsche in Wolfsburg. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist in seinen Augen zu forsch vorgegangen und hat die mächtigen VW-Belegschaftsvertreter nicht genug eingebunden. Piëch will Wiedekings Kopf, obwohl der nur das ausgeführt hat, was ihm die Eigentümer einschließlich Ferdinand Piëch aufgetragen haben: In der neuen Porsche-Holding soll das verfilzte System von Wolfsburg mit seinen vielfältigen Beziehungen zwischen Managern, Betriebsräten und Politikern aufgebrochen werden.

Piëch schert das wenig. Mit seiner Stimmenthaltung im VW-Aufsichtsrat am vergangenen Freitag stellt er sich offen gegen die Familie. Er hat kalt lächelnd in die eigene Jagdgesellschaft geschossen. Getroffen hat er vor allem Wolfgang Porsche und Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking. Ausgerechnet die elitären Eigentümerfamilien des Sportwagenbauers sind in die Falle getappt, die schon kleinere Mittelständler ruiniert haben: Streit in der Familie. Der ist gefährlicher als jeder Krach in einer Vorstandsetage. Denn irrationale Motive spielen mit - und Verwandte kann man nicht feuern.

Das ist jetzt auch das größte Problem des Porsche-Stammes: Niemand kann Ferdinand Piëch kündigen. Der Kampf um die Macht im neuen Automobilkonzern Porsche/VW ist zu einem offenen Duell auf höchster Ebene zwischen den Clan-Chefs Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche geworden.

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