Porsche-VW-Konzern: Salomonisches Ende im Porsche-VW-Streit

Porsche-VW-Konzern
Salomonisches Ende im Porsche-VW-Streit

Das Geschacher um die Posten der Arbeitnehmer im künftigen Porsche-VW-Konzern ist vorbei. Normalerweise müsste IG-Metall-Chef Berthold Huber auch den stellvertretenden Aufsichtsratsposten in einem der wichtigsten Konzerne der Republik für sich beanspruchen. Aber das hätte unweigerlich zu weiteren Konflikten geführt. Huber hielt sich zurück und entwickelte dabei geradezu salomonische Fähigkeiten.
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Normalerweise müsste der IG-Metall-Chef auch den stellvertretenden Aufsichtsratsposten in einem der wichtigsten Konzerne der Republik für sich beanspruchen. Aber das hätte unweigerlich zu weiteren Konflikten geführt. Denn das Präsidium des Aufsichtsrates, dort wo die wichtigen Personalentscheidungen gefällt werden, besteht in der Porsche Holding aus vier Personen, jeweils zwei von der Kapitalseite und zwei von der Arbeitnehmerseite. Wäre Huber in dieses Gremium eingezogen, wäre entweder Porsche Arbeitnehmer-Chef Uwe Hück oder VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh in dieser entscheidenden Machtzentrale außen vor geblieben. Nach den erbitterten Kämpfen um die Mitbestimmung im künftig größten europäischen Autokonzern wäre weder das eine noch das andere möglich gewesen. So hat Huber weise verzichtet und beschränkt sich auf das moderieren der Interessen der beiden bisherigen Kampfhähne. Osterloh hatte immer wieder mehr Rechte für die mehr als 30 Mal größere Belegschaft von VW im künftigen Konzern gefordert.

Dass dabei Hück jetzt zum stellvertretenden Aufsichtsratschef wird, ist ein weiterer Kompromiss im fein austarierten Machtgefüge. Im Dezember hatte Hück Osterloh den Vortritt als Gesamtbetriebsratschef der Porsche Holding SE, unter deren Dach die Autokonzerne VW und Porsche künftig geführt werden, gelassen und somit den Weg für die Befriedung geebnet. Wenn Osterloh schon den höchsten Arbeitnehmerposten bekommt, war Hück bei der Schlüsselposition des Aufsichtsrats-Vize an der Reihe. Es erscheint jetzt da die Posten verteilt sind, nur noch eine Formsache, dass auch der Mitbestimmungsstreit beigelegt wird. Das dürfte im Februar der Fall sein. Osterloh dürfte dann wohl auf weitere gerichtliche Schritte gegen Porsche und die Mitbestimmungsregelung verzichten. Offen ist, ob er nach den Posten weitere Zugeständnisse bekommt.

Aber das Machtgefüge auf Arbeitnehmerseite steht jetzt. Noch nicht gefallen ist allerdings die Entscheidung, ob auch VW-Chef Martin Winterkorn und eventuell auch sein Finanzchef Hans Dieter Poetsch in den Vorstand der Porsche Holding SE einziehen werden. Entsprechende Andeutungen gibt es sowohl aus Wolfsburg wie auch aus Zuffenhausen. Erst dann wäre die neue Führungsstruktur fest gezurrt. Und der Konzern könnte richtig loslegen. Porsche-Chef Wiedeking strebt noch in diesem Jahr die Aufstockung der VW-Mehrheit auf 75 Prozent an, um einen Gewinnabführungsvertrag zu erzwingen. Das würde aber erst Erfolg versprechen, wenn vorher das vom Europäischen Gerichtshof EuGH beanstandete VW-Gesetz fallen würde, das dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität bei 20 Prozent der Stimmen sichert.

Diese Kuh ist noch nicht vom Eis. Bernd Osterloh kämpft mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verbissen um dieses VW-Gesetz. Denn die Allianz von Politik und Arbeitnehmern könnte den Familien Porsche und Piech das Leben in Wolfsburg schwerer machen als ihnen lieb ist. Die letzte Schlacht um die Macht in Wolfsburg ist noch nicht geschlagen.

Keine Überraschung ist es, das Wolfgang Porsche Aufsichtsratschef wird. Auf der Kapitalseite steht die Arithmetik der Macht seit längerem. Die Frage: Wo ist Ferdinand Piech, der Aufsichtsratschef von VW und Porsche Miteigentümer in dem Gefüge geblieben, lässt sich einfach beantworten. Er bleibt die Spinne im Netz mit Erschütterungsfäden in alle wichtigen Bereiche des Konzerns. Er opferte zwar bereits vor Monaten seinen Posten im Präsidium des Aufsichtsrates der Holding.

Aber der Rückzug aus dem obersten Gremium täuscht. Er ging nur aus dem Präsidium. Einen Aufsichtsratsposten hat er in der Holding SE weiter. Zudem bekam er für seinen Rückzug aus dem Präsidium das Aufsichtsratmandat bei der VW-Tochter Audi, bei VW ist er ohnehin Aufsichtsratschef und dann hat er diese Position noch beim LKW-Bauer MAN. Piech kann also munter an seiner Version vom Autokonzern mit Modellen vom Rennboliden bis zum 40-Tonner weiter feilen. Und spurt einmal die Zentrale der Holding nicht, dann ist er giftig genug sich gegen unliebsame Machenschaften aus Zuffenhausen mit seiner Macht vor Ort zu stemmen, wie er ja schon bewiesen hat, als er sich bei einer Abstimmung im Aufsichtsrat sich einfach enthielt und so Porsche damit abblockte einen besseren Zugriff auf Audi zu bekommen.

Fällt beispielsweise das VW-Gesetz doch nicht, dann beherrscht keiner die Klaviatur der Interessen in Wolfsburg zwischen Arbeitnehmern, Politik und Kapitalseite besser als Ferdinand Piech. Auch dann wird Piechs Schlüsselposition in Wolfsburg noch wichtiger. Er bleibt die Spinne im Netz mit dem giftigsten Biss.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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