PORSCHE/VW
Mir zahlet nix

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vergleicht den Einstieg bei VW gern mit Schach, bei dem man nur Zug um Zug vorgehen kann.

Treffender könnte man von Salamitaktik sprechen, denn Wiedeking hat mit Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch bereits Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff scheibchenweise zerlegt.

Jetzt spielt Wiedeking eine schwäbische Variante seines Spiels, frei nach dem Motto: „Mir zahlet nix.“ Porsche wird ab heute 31 Prozent der Aktien halten und muss den übrigen Aktionären ein Übernahmegebot unterbreiten, wie das geltende Recht es verlangt. Die Schwaben bieten den Aktionären aber nur das gesetzliche Mindestangebot, fast 20 Euro unter dem aktuellen Kurs. Das wird kaum einer annehmen.

Und genau das ist der Sinn und Zweck. Porsche hebelt die Schutzfunktion des Gesetzes für den Kleinanleger einfach mit diesem Dumpingangebot aus. Denn das Pflichtangebot muss nur einmal erfolgen, dann kann Porsche frei schalten und walten. Erst das Überschreiten der Anteilsschwelle von 50 Prozent muss gemeldet werden.

Normalerweise wird bei Übernahmen den Aktionären ein Aufschlag gezahlt. Die schwäbische Botschaft dagegen heißt: „Seid ruhig und freut euch über den Kursanstieg!“ Das ist schon die hohe Schule des Sparens. Porsche und damit seine Eigentümerfamilien haben bei Europas größtem Autobauer das Sagen mit nicht einmal einem Drittel der Stimmen. Ex-Gegner Niedersachsen und die Arbeitnehmer, einst eine gefürchtete Front bei VW, spielen mit und freuen sich, dass kein böser Finanzinvestor mehr kommen kann. Eigentlich braucht Porsche gar keine weiteren Stimmen mehr zu kaufen, Aufschläge für Kleinaktionäre gibt es da erst recht nicht. Das ist „lean takeover“: Übernahme auf schwäbisch.

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