Porsche/VW
Schicksalsentscheidung für Porsche

Es könnte der letzte große Tabubruch sein. Porsche verhandelt mit dem arabischen Emirat Katar über eine direkte Beteiligung - in Höhe einer Sperrminorität von 25 Prozent. Das ist keine Fata Morgana mehr. Legen die Scheichs das konkrete Angebot auf den Tisch, kommt es für die Familien Porsche und Piech zum Schwur.
  • 0

Die Hände ringende Suche von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nach einem Ausweg aus der Finanzklemme nähert sich dem entscheidenden Stadium. Porsche hatte sich für die Beteiligung an VW mit knapp 51 Prozent mit neun Mrd. Euro verschuldet. Auf Dauer fressen die Zinszahlungen fast den gesamten Gewinn auf.

Deshalb herrscht massiver Handlungsbedarf bei der Kapitalstruktur, unabhängig von dem laufenden Antrag des Sportwagenherstellers nach einem Kredit in Höhe von 1,75 Mrd. Euro von der staatseigenen KfW-Bank.

Nur mit einem Investor und einer Kapitalerhöhung kann sich Porsche befreien. Offensichtlich ist der Kapitalbedarf von Porsche aber so hoch, dass ein bislang als unumstößliches geltendes Tabu gebrochen wird. Der arabische Investor verhandelt wohl über eine direkte Beteiligung in Höhe einer Sperrminorität von 25 Prozent an der Porsche Holding SE. Bislang galt es als ausgeschlossen, dass die Familien Porsche so etwas denken, geschweige denn zulassen würde. Sie könnte aber den Umständen entsprechend dazu gezwungen sein.

Konkrete neue Fakten gibt es nicht. Bislang muss man sich an die Indizien halten. Porsche bestätigt nur die Verhandlungen mit dem arabischen Investor, sagt aber nichts zu den Inhalten. Aber, wenn das Thema Sperrminorität eine Fata Morgana wäre, würde der Automobilhersteller massiver in der Öffentlichkeit dagegen steuern.

Klar ist, es handelt sich nicht nur um eine der Möglichkeiten, sondern wohl um die derzeit favorisierte. Da niemand genau weiß, wie der integrierte Automobilkonzern VW/Porsche aussehen wird und die Klärung wegen der hohen Komplexität und der vielen Details auch noch länger dauern kann, wäre die Beteiligung der Scheichs an der Porsche Holding SE der am schnellsten zu realisierende Befreiungsschlag, sofern die Familien Porsche und Piech tatsächlich zu dem Schritt bereit sind.

Das kann nur ein Familientreffen klären. Legen die Scheichs dort ein belastbares Angebot auf den Tisch, kommt es für die Familien zum Schwur.

Dann wird sich zeigen ob VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech tatsächlich seit seinem Auftritt in Sardinien, als er Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter demontierte, in der Familie isoliert ist. Denn nur, wenn sein Bruder Michel mit ihm gegen den Investor stimmt, kann er Wiedekings Rettungsversuch vereiteln und wohl auch dessen Karriere bei Porsche damit beenden.

Die Familie weiß, was es geschlagen hat. Schluckt sie den Einstieg der Scheichs aus Katar als Kröte oder opfert sie Wiedeking und liefert sich Ferdinand Piech aus.

Der Familie wird die Entscheidung nicht erspart bleiben.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Porsche/VW: Schicksalsentscheidung für Porsche"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%