Post
Fall für die Politik

Wie sich die Zeiten ändern. Nach Jahren sicherer Monopolgewinne aus dem Briefgeschäft gerät die Deutsche Post zunehmend unter Druck. E-Mail-Verkehr und neue Konkurrenten setzen dem gelben Riesen mächtig zu. Das Briefmonopol läuft Ende des Jahres ganz aus. Dann bleibt die Post wohl möglich auch noch auf dem teuren Universaldienst sitzen, der Sicherung der postalischen Grundversorgung. Zu allem Überfluss sind die zahlreichen Übernahmen auf dem Weg zum größten Logistikkonzern der Welt auch noch nicht abgeschlossen – und drücken ebenfalls auf das Ergebnis.

Im Bonner Post-Tower macht sich Nervosität breit. Statt den Wettbewerb in aller Ruhe anzunehmen, versucht sich Post-Chef Klaus Zumwinkel zunehmend als Lobbyist. „Wir werden um jeden Brief bis zum letzten Blutstropfen kämpfen“, tönt es neuerdings ungewohnt martialisch aus seinem Munde. Von einem Rheinländer hätte man mehr Humor erwartet. Doch blendet man einmal den Theaterdonner aus, offenbart sich ein berechtigtes Anliegen des Post-Chefs, wenn er auch Partei in eigener Sache nimmt. Es kann nicht angehen, dass Wettbewerber der Post ihren Zustellern so niedrige Löhne zahlen, dass diese auf Transferzahlungen des Staates angewiesen sind. Da sind Politik und Gewerkschaften gefordert; sie müssen dieser Fehlentwicklung einen Riegel vorschieben.

Handlungbedarf gibt es auch in Europa. Arbeitsminister Müntefering hat es auf den Punkt gebracht: „Vorreiter, aber nicht blöd“. Es mutet schon merkwürdig an, dass Deutschland den Markt für ausländische Anbieter im Zuge der EU-weiten Liberalisierung öffnet, die Deutsche Post aber im Ausland vor verschlossenen Türen steht. Denn während Deutschland liberalisiert, steht die Marktöffnung in der EU noch in den Sternen. Auch hier ist die Politik am Zug.

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