Postbank Ackermann, die Postbank und das Dilemma

Ein „strategischer Preis“ ist die freundliche Umschreibung dafür, dass ein Preis eigentlich zu hoch ist. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, zahlt für rund 30 Prozent der Postbank mehr, als dieses Paket an der Börse wert ist. Das allein heißt aber nicht, dass der Preis zu hoch ist – zumal die Anlegerstimmung ja zurzeit alle Finanzaktien stark unter Druck gebracht hat. Zwei Punkte stimmen aber skeptisch.

Erstens steckt Ackermann in einem Dilemma – er wird sich auch auf lange Sicht schwertun, das Potenzial einer Fusion mit der Postbank voll auszuschöpfen. Und zwar auch dann, wenn er die Option auf den Kauf weiterer Postbank-Aktien ausübt und darüber hinaus noch seinen Kapitalanteil erhöht. Und zweitens scheint er die spanische Bank Santander ausgestochen zu haben, und es spricht einiges dafür, dass den Spaniern der Einstieg bei der Postbank letztlich mehr gebracht hätte als der Deutschen Bank.

Worin besteht Ackermanns Dilemma? Die Deutsche Postbank ist zu Recht stolz auf die Vielfalt ihrer Vertriebswege. Ein ganz wesentlicher Absatzkanal wird aber auch in Zukunft das Filialnetz ihrer bisherigen Muttergesellschaft sein, der Deutschen Post. Michael Meyer, der im Vorstand der Postbank für das Produktmarketing zuständig ist, hat vor kurzem auf einer Handelsblatt-Veranstaltung betont, wie wichtig sogar innerhalb der Postfilialen die enge und reibungslose Zusammenarbeit der Post- und der Postbankmitarbeiter sei, um die Stärke des großen Filialnetzes wirklich auszunutzen. Die Deutsche Bank muss sich also die sehr enge Kooperation mit der Post sichern. Deswegen spricht viel dafür, die Post auf lange Sicht als Partner mit einer Minderheitsbeteiligung im Boot zu behalten. Zwar verdient die Post gut am Bankgeschäft in ihren Filialen, aber ohne Kapitalverflechtung ist jede Kooperation leichter lösbar und anfälliger für Streit.

Einer der großen Vorzüge der Postbank aus Sicht der Deutschen Bank ist aber deren Einlagengeschäft. Die Finanzkrise hat gezeigt, wie enorm wichtig es wieder ist, eine eigenständige Liquiditätsbasis zu besitzen: Die Banken trauen sich gegenseitig weniger über den Weg als die braven Stammkunden. Indirekt nutzen Banken mit einer starken Einlagenbasis auch den Vertrauen schaffenden Einlagensicherungsfonds für sich aus. Die Deutsche Bank, die stark im risikoreicheren Investment-Banking vertreten ist, könnte so eine Einlagenbasis sehr gut gebrauchen.

Kann Ackermann (oder später ein Nachfolger) aber die Einlagen der Postbank für sich nutzen, solange sie noch als selbstständiges Institut mit außenstehendem Aktionär besteht? Das ist schwer vorstellbar. Eine rechtlich selbstständige Bank müsste die Liquidität nach Risiko- und Renditegesichtspunkten streuen.

Die Deutsche Bank hat also langfristig eine schwierige Entscheidung zu treffen: Behält sie die Post – falls die das überhaupt will – als Aktionärin im Boot, um die Kooperation zu sichern? Dann kann sie die Synergien einer vollen Fusion nicht heben und letztlich auch nicht die Einlagenbasis in vollem Umfang nutzen. Oder sie strebt eine Vollfusion an, doch dann ist ein Kern ihres Vertriebsnetzes abhängig von einem nur lose verbundenen Partner.

Daher zeigt sich: Im Moment bedeutet zwar der „kleine“ Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank sicherlich weniger Stress und Herausforderung als die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank. Von der grundlegenden strategischen Herausforderung her ist er aber komplexer.

Wichtig auch: Um sich nur eine Vertriebskooperation mit der Postbank zu sichern, hätte Ackermann wohl ein Anteil von zehn Prozent gereicht. Und um sich stabile Erträge aus dem Privatkundenbereich zu sichern, hätte Ackermann im Ausland, in einem margenträchtigeren Markt als dem deutschen, zukaufen können.

Halten wir den Einstieg von Santander dagegen. Die Spanier besitzen in Deutschland bereits eine Bank mit einer sehr starken Position im Konsumgeschäft, aber einem relativ kleinen Filialgeschäft. Die Postbank mit ihrem vielseitigen Vertrieb und die Produkte der Santander Consumer Bank hätten sich perfekt ergänzt und eine ähnliche Kundenstruktur angesprochen. Eine Vollfusion zur Stärkung der Einlagenbasis wäre für die Spanier weniger interessant als für die Deutsche Bank – eine dauerhafte, mit Kapital unterlegte Partnerschaft mit der Post wäre daher kein Problem gewesen.

Trotzdem hat Santander Ackermann offenbar nicht überboten. Das stimmt nachdenklich.

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