Postbank-Börsengang
Das Chaos hat sein Gutes

Doch im Chaos versteckt sich sogar eine gute Nachricht für die Anleger: Die Zeiten, in denen Banken neue Aktien noch auf Kosten der Fondssparer in die Depots der Großanleger drücken konnten, sind vorbei. Wenn die Fondsmanager ein derartiges Vorgehen zuließen, dann könnten sie gleich schließen. Außerdem gibt das seit Anfang des Jahres geltende Investmentgesetz erstmals klare Regeln vor.

Es zeigt sich: Der Finanzplatz Deutschland wird erwachsen. Das ist die positive Seite der Postbank-Leidensgeschichte.

Dagegen leidet das Image der Post unter dem Einknicken, und Zumwinkels Glaubwürdigkeit ist in Frage gestellt. Er hatte unablässig wiederholt: Entweder geht die Emission zu meinen Preisvorstellungen durch, oder sie wird abgesagt. Davon ist nun keine Rede mehr.

Der Postchef hatte sich verrannt mit seiner Meinung, er könne einen hohen Preis für die Aktie der Postbank gegen den Markt durchdrücken. Er sah vor allem die Deutsche Bank als einen der globalen Koordinatoren der Platzierung und Hauptverantwortlichen für eine unsägliche Folge von Pleiten, Pech und Pannen in der Pflicht, die Emission zu einem guten Ende zu bringen.

Zumwinkels Schuldzuweisungen sind verständlich, denn das Desaster nahm seinen Ausgang mit den Überlegungen der Deutschen Bank, die Postbank auf Anregung der Bundesregierung zu kaufen. Und das interne Papier des Instituts, das den Wert der Posttochter sehr niedrig ansetzte, erschwerte den Börsengang.

Doch auch Banken mit einer starken Verkaufsmacht, wie sie die Deutsche Bank besitzt, können nicht zaubern. Gegen den Markt geht nichts. Schon gar nicht, wenn Fonds und Versicherungen die Wahl zwischen vielen attraktiven Investments haben. Den Anlegerinteressen schadet das durchaus nicht.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%