Postbank-IPO
Deutsche Amateure

Erfolg ist die Summe richtiger Entscheidungen.“ Mit blumiger Finanzprosa wirbt die Deutsche Bank derzeit in allen Medien um das Wohlwollen der Kunden. Doch mit den richtigen Entscheidungen hat der deutsche Branchenprimus derzeit erhebliche Schwierigkeiten. Als Konsortialführer des Börsengangs der Postbank hat es die Deutsche Bank gleich zweimal geschafft, sich bis auf die Knochen zu blamieren. Zuerst das unselige Gerangel darum, ob die Neuemission überhaupt stattfindet oder ob die Posttochter nicht doch an die Deutsche Bank verschachert wird. Jetzt die völlig überflüssige Aufregung um die Bewertung der Postbank.

Kanzler Gerhard Schröder persönlich soll Anfang Mai Vorstandschef Josef Ackermann die Postbank angedient haben, um endlich ein nationales Geldhaus von Weltformat zu schaffen. Ackermann und die Seinen prüften die Übernahme und riskierten damit einen massiven Interessenkonflikt. Wer ein Unternehmen kaufen will, kann nicht gleichzeitig als Konsortialführer den Börsengang vorantreiben. Über eine Woche zog sich das unwürdige Hickhack hin. Am Ende gab es nur Verlierer. Am schlechtesten aber stand die Deutsche Bank da.

Die zweite Blamage folgte auf dem Fuß: Postchef Klaus Zumwinkel beziffert den Wert seiner Finanztochter auf bis zu sechs Milliarden Euro, und Ackermanns Investmentbanker sollten ihm helfen, diese Preisvorstellung durchzusetzen. Nur deshalb vertraute der Postchef die Planung des größten deutschen Börsengangs seit drei Jahren dem Geldhaus vom Main an. Doch dann taucht plötzlich ein internes Memo auf, in dem Ackermanns Mitarbeiter den Wert der Postbank kurzerhand um bis zu anderthalb Milliarden tiefer ansetzen. Selbst wenn diese Analyse realistisch ist: Die Indiskretion nimmt der Post die Chance, eine höhere Bewertung der Aktien ihrer Tochter zu erreichen.

Damit ist auch klar, dass die Postbank mit ihrer Mammutemission die angeschlagene Börsenkonjunktur nicht retten kann. Zwei lange Jahre gelang keinem einzigen deutschen Unternehmen der Sprung aufs Parkett, und auch 2004 scheiterten bereits drei Kandidaten mit ihren Börsenplänen. Mit der Postbank sollte alles besser werden. Egal ob Banker, Großinvestoren oder Anlegerschützer: jeder hatte auf das gelbe Geldhaus als Türöffner gesetzt. Doch statt im Triumphzug wird die Postbank mühsam an die Börse gelangen. Und das heißt wohl oder übel, dass der Durchbruch in Sachen Börsengänge um mindestens ein weiteres Jahr verschoben werden muss.

Schuld daran ist nicht nur die ins Stocken geratene Kurserholung, sondern auch der unbändige Ehrgeiz der Investmentbanker. Wer in der ersten Liga mitspielen will, der muss bei den wenigen Großmandaten, die derzeit zu vergeben sind, mit dabei sein. Den Zuschlag erhält meist jene Bank, die dem Kunden den höchsten Wert für seine Aktien verspricht. Groß ist die Versuchung, sich mit rosigen Prognosen zu überbieten. Doch wenn der Markt am Ende weniger hergibt, wird es für die Banker peinlich. Das bekommt nicht nur die Deutsche Bank zu spüren. Vor wenigen Tagen musste die Werkstattkette Auto-Teile Unger ihre Emission aus genau diesem Grund absagen. CSFB und HSBC Trinkaus hießen die Führungsbanken. Doch krasse handwerkliche Fehler wie den Deutsch- Bankern unterliefen ihnen nicht.

Dabei sieht Ackermann sein Haus als eine der weltbesten Investmentbanken. Und als Kanzler Schröder seine Idee vom nationalen Bankenchampion entwickelte, da hatte er sofort die Deutsche Bank im Kopf. Doch statt meisterhaft zu agieren, handelt die Deutsche derzeit wie ein blutiger Anfänger. Die Doppelblamage im Fall Postbank verlängert eine lange Kette aus Pleiten, Pech und Pannen, die sich seit dem berühmt-berüchtigten Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess durch das Jahr 2004 zieht.

Der Ruf der Deutschen Bank ist gründlich ruiniert. Ein harter Schlag für ein Unternehmen, das noch immer um seine strategische Richtung ringt. Denn der hausinterne Kampf zwischen international orientierten Investmentbankern und Traditionalisten, die die deutschen Wurzeln bewahren wollen, ist noch lange nicht ausgefochten. Dazu kommt die leidige Fusionsfrage. Ackermann selbst würde sich wohl am liebsten im europäischen Ausland umsehen. Der politische Druck auf eine Konsolidierung des zersplitterten deutschen Markts wird aber nicht geringer. Wer weiß, was dem Kanzler als Nächstes einfällt? Ackermann droht zwischen all den auseinander strebenden Interessen zerrieben zu werden. Vom Glanz des einstigen Hoffnungsträgers ist nach zwei Jahren an der Konzernspitze nicht mehr viel übrig geblieben.

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