Postbank-IPO
Kommentar: Durchatmen

Die Deutsche Post und die Postbank sind gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen. Die Aktienemission der Postbank ging im zweiten Anlauf bei den Anlegern durch; die selbst gesetzte Preishürde wurde genommen. Mit 28,50 Euro bleibt der Ausgabekurs zwar in der Nähe der unteren Preisspanne. Doch dieses Mal haben die Beteiligten bei der Festsetzung des Preises (endlich) einmal die richtige Entscheidung gefällt.

Der Grund: Bei diesem Ausgabekurs kommt es zu einer mehr als zweifachen Überzeichnung. Die Nachfrage ist also doppelt so groß wie das Angebot. Damit steht fest, dass die Aktie der Postbank bei der heutigen Erstnotiz an der Frankfurter Börse nicht sofort wieder abschmieren wird. Im Gegenteil, es ist mit Kursgewinnen zu rechnen. Alles andere würde die Marktgesetze auf den Kopf stellen. Viele institutionelle Investoren und Kleinanleger, die bei der Zeichnung nicht zum Zug kamen, müssen versuchen, den Anteilsschein über die Börse zu kaufen.

Auch wenn die Aktienemission so letztlich ein gutes Ende nimmt: Das hätten alle Beteiligten einfacher haben können. Postchef Klaus Zumwinkel wird noch lange an dem Imageverlust zu leiden haben, den er durch das sture Festhalten an seinen ursprünglichen Preisvorstellungen erlitten hat. Und die Deutsche Bank als einer der Konsortialführer ist noch meilenweit von ihrem Ziel eines internationalen Champions weg. Solche Pannen wie im Fall der Postbank kann sich kein Institut von Weltrang leisten. Allein der Finanzplatz Deutschland ist der Gewinner. Das Beispiel Postbank zeigt, dass sich Fondsmanager nicht unter Druck setzen lassen und zu Mondpreisen kaufen. Börsenkandidaten, die das beherzigen, werden gut aufgenommen. Vielleicht schlüpft die Postbank so doch noch in die Rolle eines Eisbrechers.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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