Postbank
Kommentar: Letzte Chance

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HB DÜSSELDORF. Das muss man erst einmal schaffen. Während rund um den Globus Bankenaktien wegen der Subprime-Krise in den Keller rauschen, haben die Papiere der Postbank fast 30 Prozent an Wert gewonnen, Klaus Zumwinkel sei Dank. Der Chef des Mutterkonzerns Post belebte mit subtilen Andeutungen einmal mehr die Übernahmespekulationen um Deutschlands größte Filialbank.

Die Option eines Postbank-Verkaufs ist alt – sie begleitet das Institut seit dem Gang an die Börse im Sommer 2004. Damals hatte die Bundesregierung die Fusion mit der Deutschen Bank angeregt, die allerdings pikanterweise mit der Platzierung der Aktien beauftragt war. Letztlich scheiterte der Zusammenschluss. Für das Warum gibt es viele Versionen – je nachdem, wen man fragt.

Sicher ist, dass damals eine fast einmalige Gelegenheit verpasst wurde, die Konsolidierung in der zersplitterten deutschen Finanzbranche voranzutreiben. Nun sieht es so aus, als gäbe es eine zweite Chance. Sie ist umso wichtiger, weil eine Öffnung des Sparkassen- und Landesbankensektors vorerst reines Wunschdenken bleiben wird. Wollen Deutschlands Banken im internationalen Vergleich nicht gänzlich in die Bedeutungslosigkeit abrutschen, müssen sie andere Wege gehen.

Sowohl Commerzbank als auch Deutsche Bank werden Farbe bekennen müssen. Egal wer von beiden letztlich die Postbank mit ihren 14,6 Mill. Kunden schluckt: Für die deutsche Bankenlandschaft wäre es auf alle Fälle ein Gewinn. Die Commerzbank würde vom Übernahmekandidaten zu einer ernst zu nehmenden Größe im Privatkundengeschäft. Die Deutsche Bank hingegen könnte die Abhängigkeit vom volatilen Investment-Banking nennenswert verringern. Bleibt die Hoffnung, dass die Chance genutzt wird: Mehr als zwei bekommt man in der Regel nicht.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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