Postbank
Planspiele

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Kennen Sie dieses Kinderspiel, bei dem die Köpfe verschiedener Personen mit Frisuren und Bekleidung unterschiedlichster Stile bunt kombiniert werden? Ähnliches geschieht derzeit bei der Deutschen Post. Mögliche Käufer oder Partner werden an die Postbank gelegt um zu sehen, wer zu ihr passen könnte. Aber zu welchem potenziellen Käufer passt eigentlich die Postbank?

Rein rechnerisch ist jeder fünfte bis sechste Deutsche Kunde der Postbank. Es ist diese magische Zahl der 14,5 Millionen Kunden, die Bankern das Leuchten in die Augen treibt. Über die vergangenen Jahre hat sich die Postbank über Zukäufe von einem reinen Produktlieferanten für die Post zu einem Vertriebsschiff entwickelt. Sie bietet ihre Girokonten und Sparprodukte, ihre BHW-Bausparverträge und Konsumentenkredite über das Internet, gut 850 eigene Filialen und 4200 mobile Finanzberater an. Zudem können Kunden Routinegeschäfte auch an mehr als 5000 Filialen der Konzernmutter Post tätigen.

Die Postbank hat ihre Kraft auf das Privatkundengeschäft fokussiert, erwirtschaftet hier drei Viertel ihres Gewinns. So könnte sich ein Käufer sehr gezielt verstärken. Deshalb urteilten Analysten von Unicredit jüngst , die Postbank sei „eines der interessantesten Banken-Assets für eine potenzielle Übernahme in Deutschland“.

Derzeit will jede Bank ihr Privatkundengeschäft stärken. Das ist in der Finanzkrise als Refinanzierungsquelle mit stabilen Erträgen noch beliebter geworden – ein perfektes Gegengewicht zum volatilen Investment-Banking der Deutschen Bank etwa. Als erste Interessenten fallen einem denn auch Commerzbank und Deutsche Bank ein. Erstere hat schon vermehrt Interesse bekundet, Letztere 2004 schon einmal mit dem Gedanken eines Einstiegs bei der Postbank gespielt. Für beide interessant wäre die Postbank als Vertriebsmaschine. Denn selbst produziert die Postbank nur eine relativ begrenzte Anzahl von Finanzprodukten. Sie wäre eine wunderbare Vertriebsmaschine für Fonds oder Zertifikate des Käufers.

Die Frage ist, wie gut Commerzbank, Deutsche Bank oder auch die Allianz die Postbank in ihren Konzern integrieren könnten, um die Synergieeffekte zu erzielen, die einen Einstieg rechtfertigen. Mit gut 850 Filialen hat die Postbank mehr als die Commerzbank und nicht unwesentlich weniger als die Deutsche Bank mit gut 930, die zudem noch die Norisbank als Anbieter für die privaten Massenkunden hat. Könnte dieses Netz bei einem Einstieg parallel weiterlaufen? Die Filialen der Postbank, die mit Briefmarkenverkauf neben Anlageberatung einen eigenen Charakter haben, gleich neben denen der Commerzbank?

Kritisch dürften Käufer darauf schauen, dass die Postbank mit jedem Kunden derzeit nur gut 200 Euro an Erträgen erwirtschaftet. Nur 4,6 Millionen Kunden sind Kernkunden, mit denen sie das eigentliche Geld verdient. Hier liegt Potenzial, die Nicht-Kernkunden mit neuen Produkten zu mehr Geschäft zu bewegen. Aber so würden sich Deutsche, Commerzbank oder Dresdner vielleicht ihre eigenen Kunden abspenstig machen.

Ein Kauf der Postbank zum jetzigen Zeitpunkt, so jüngst das Researchhaus SRC, „bedeutet, viel zu zahlen für ein großes Adressbuch und ein expansives Filialnetz“. Das ergibt eigentlich viel mehr Sinn für eine ausländische Bank, die mit einem Schlag acht Prozent Marktanteil bei Spareinlagen und 8,5 Prozent in der privaten Baufinanzierung übernehmen würde. Santander aus Spanien, die sich bei Konsumentenkrediten in Deutschland bereits eine beachtliche Stellung erkämpft hat, Citibank aus den USA oder ING aus den Niederlanden könnten interessiert sein. ING ist erfahren durch die Übernahme der Postbank im eigenen Land und hier mit der Direktbank ING Diba erfolgreich. Gegen sie spricht, dass sie im Ausland konsequent die Direktbank-Strategie fährt und sich keine großen Filialnetze aufbürden will. Bei der Citibank stehen angesichts der Subprime-Lasten derzeit wohl andere Dinge im Vordergrund als eine Investition von mindestens 4,5 Mrd. Euro in Deutschland – zumal der in Deutschland heftig umkämpfte Privatkundenmarkt weitaus geringere Margen abwirft als Investitionen in gleicher Höhe in Schwellenländern. Und Santander investiert vielleicht lieber in Lateinamerika.

Dennoch gibt es kaum wieder eine solche Chance, in Deutschland zu expandieren. Der Einstieg eines ausländischen Instituts hätte den klaren Vorteil, dass Synergieeffekte nicht so wichtig sind. Es geht um Markteintritt. Die Einschnitte für die Beschäftigten dürften weniger einschneidend sein. Doch was betriebswirtschaftlich und sozial Sinn ergibt, wäre politisch kaum durchsetzbar. In Berlin ist schon die Rede davon, man brauche einen weiteren nationalen Bankenchampion.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

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