Präsidentschaftswahlen in Frankreich
Der dritte Kandidat

Frankreich erlebt in diesem Präsidentschaftswahlkampf eine erstaunliche Premiere: Die politische Mitte meldet sich zu Wort. Ihre Stimme heißt François Bayrou.

Der Kandidat der Zentrumspartei Union pour la Démocratie Française (UDF) legt in der Wählergunst seit Monaten zu und rückt immer näher heran an die Favoriten. Die Sozialistin Ségolène Royal hat er in den Meinungsumfragen schon erreicht, und auch der Abstand zum neogaullistischen Bewerber Nicolas Sarkozy verringert sich kontinuierlich. Für den 52-jährigen Bayrou, der als chancenloser Außenseiter in den Wahlkampf startete, ist mittlerweile alles möglich. Er könne Royal im ersten Wahlgang am 22. April überrunden und an ihrer Stelle den Sprung in die Stichwahl am 6. Mai schaffen, warnte der sozialistische Parteichef François Hollande. François Bayrou selber sieht sich gar schon als lachenden Dritten, der am Ende in den Élysée-Palast einzieht.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Bis zum Wahltag fließt noch viel Wasser die Seine hinunter. Die Hälfte der Wähler hat sich laut neuester Umfragen noch nicht endgültig entschieden, der höchste jemals gemessene Prozentsatz so kurz vor dem ersten Urnengang.

Bisher allerdings suchen die Wahlkampfstrategen von Royal und Sarkozy vergeblich nach einem Rezept gegen Bayrou. Der Bauernsohn aus dem französischen Südwesten ist der politische Star dieser Tage, denn er schafft einen schier unglaublichen Spagat zwischen Tradition und Moderne, rechts und links, Stadt und Land und zwischen dem „Frankreich von oben und von unten“, wie es die Tageszeitung „Le Monde“ formuliert.

In einer traditionell stark polarisierten Gesellschaft verkauft sich Bayrou mit Erfolg als Versöhner. Für den Fall eines Wahlsieges kündigte er gar eine große Koalition à la française an. Als Präsident werde er sozialistische und konservative Politiker in einer Regierung vereinen. Eine solche „nationale Union“, wie Bayrou sie nennt, war in Frankreich bisher undenkbar. Doch jetzt spricht sie Menschen aller sozialen Schichten und politischen Glaubensrichtungen an. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Franzosen sehnen sich offenkundig nach politischer Harmonie.

Seite 1:

Der dritte Kandidat

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%