Premiere
Gefährliches Spiel

Die Finanzinvestoren konnten es kaum erwarten, bei dem Bezahlsender Premiere auszusteigen. Nur knapp drei Wochen nach dem Ende des Verkaufsverbots trennen sich Permira und drei Banken nahezu komplett von ihrem Investment. Die Investoren haben den Glauben an das Geschäftsmodell des Pay-TV-Unternehmens verloren. Nach der Platzierung der Aktien wird Premiere-Vorstandschef Georg Kofler auch sein größter Aktionär sein.

Der Quasi-Ausstieg der Gesellschafter kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn die von Kofler versprochene Erfolgsstory kann der Pay-TV-Sender derzeit nicht schreiben. Die Abonnentenzahlen steigen zu langsam. Der Premiere-Vorstandschef trägt daher ein immer höheres Risiko. Zuletzt zahlte der Fernsehmanager, der beim gescheiterten Medienunternehmer Leo Kirch in die Lehre ging, die sagenhafte Summe von 200 Mill. ¤ für die Fernsehrechte von drei Spielzeiten der Champions League. Doch dieser Deal war erst die Overtüre für das Pokerspiel namens Bundesliga.

Premiere braucht die Bundesliga, und die Bundesliga braucht Premiere. Die Frage ist nur: Zu welchen Preis? In Verhandlungskreisen werden bereits gigantische Summe aufgerufen, die Kofler zahlen muss, um den frei empfangbaren Fernsehkonkurrenten ARD auszustechen. Sollte sich Premiere tatsächlich auf einen Preis von über 300 Mill. ¤ für die Bundesliga-Rechte einlassen, steht der Münchener Fernsehkonzern vor einer echten Bewährungsprobe.

Permira und die anderen Investoren retten sich jetzt mit ihrem Ausstieg aus dem Pay-TV-Sender auf die sichere Seite. Kofler ist nunmehr allein zu Hause. Seine Strategie und sein Geschick entscheiden über den Aufstieg oder den Fall von Premiere. Bei seinem letzten Geschäft, dem Einkaufsfernsehen, hatte sich der ehrgeizige Premiere-Vorstandschef übernommen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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