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Primus auf Abwegen

Wer glaubt, die deutsche Misere offenbare sich nur im Schlingerkurs der Regierung in Berlin, hat sich geirrt. Ein Blick nach Frankfurt, auf die Doppeltürme der Deutschen Bank, zeigt: Die Bundesregierung hat das Chaos nicht allein gepachtet. Eine der Ikonen der deutschen Wirtschaft verheddert sich gerade im Gestrüpp von Verpflichtung und Verlockung.

Der Vorstand erweckt den Eindruck, dass er nicht mehr weiß, ob er die Postbank kaufen oder als Konsortialführer an die Börse bringen, ob er für die eigene Bank eher Kaufobjekte oder Käufer suchen soll. Der Aufsichtsrat hat Mühe zu versichern, dass er zum Vorstand steht und sich keinesfalls nach einem neuen Chef umgesehen hat.

Deutsche Bank und Daimler- Chrysler – ausgerechnet die beiden Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft – zeigen sich derzeit in bemerkenswert schlechter Verfassung. Während Daimler-Chef Jürgen Schrempp über Jahre hinweg ungeachtet aller Kritik und unbedrängt vom Aufsichtsrat seiner Vision der Welt-AG folgen konnte, wurde bei der Deutschen Bank zunächst unter Rolf-E. Breuer und später unter Josef Ackermann mehrfach die Richtung gewechselt. Erst sollte die Bank am Investment-Banking genesen – Privatkunden waren nicht mehr gern gesehen. Dann sollte das internationale Privatkundengeschäft gestärkt werden. Jetzt steht die Postbank auf der Wunschliste – oder auch nicht. Dazwischen wurde einmal kurz eine Fusion mit der Dresdner Bank versucht und wieder abgeblasen. Wer blickt da noch durch?

Es spricht jedenfalls für die beachtliche innere Stärke sowohl der Deutschen Bank als auch von Daimler-Chrysler, dass sie sich ungeachtet aller falschen oder wankelmütigen Richtungsentscheidungen noch vergleichsweise gut gehalten haben. Jetzt aber muss es der Anspruch der Deutschen Bank sein, die führende Rolle bei der unausweichlichen Konsolidierung unter den Banken in Deutschland und Europa zu übernehmen. Dazu sollte sich Ackermann bekennen. Gerhard Schröders Weckruf an die Bankenszene kam vor diesem Hintergrund zur richtigen Zeit. Die Deutsche Bank sollte sich aber nicht vom Kanzler Agenda oder gar Kaufobjekte diktieren lassen. Sie muss die unternehmerische Lösung finden und damit den Weg aus dem Chaos.

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