Private Equity
Dicke Backen

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Da stockt einem der Atem. 26 Milliarden Dollar zahlt Blackstone für die Hotelkette Hilton, eine Prämie von 32 Prozent zum letzten Aktienkurs. Fast im Wochentakt kündigen die Finanzinvestoren zurzeit Mega-Deals an. Und immer häufiger scheinen sie dabei ihre so lange hoch gehaltene Preisdisziplin zu vergessen. Das gilt nicht mehr nur für die richtig großen Transaktionen, auch bei mittleren werden Grenzen überschritten, die früher tabu waren. Zum Beispiel beim Bootsbauer Bavaria Yachtbau, für den Bain Capital in diesen Tagen kolportierte 1,3 Milliarden Euro zu zahlen bereit war. Das wäre das Fünffache des Umsatzes.

Ähnlich verwegen sieht die ebenfalls gestern angekündigte Offerte von Apollo Management für das Chemieunternehmen Huntsman aus, mit dem die Finanzinvestoren das Angebot von Basell aus dem Weg räumen wollen. Inklusive Schulden sollen runde zehn Milliarden Dollar fließen – für eine Gesellschaft, die schon heute einen Schuldenberg von vier Milliarden Dollar bewältigen muss.

Die Idee, Huntsman anschließend mit der Apollo-Beteiligung Hexion zu verschmelzen, mag strategisch durchaus sinnvoll sein, macht die Sache aber nicht besser. Da auch Hexion mit Verbindlichkeiten von gut fünf Milliarden Dollar „gesegnet“ ist, entstünde ein Verbund mit einer arg strapazierten Bilanz. Ein kleiner Einbruch in der zyklischen Chemiekonjunktur, ein etwas größerer Sprung bei den Rohstoffpreisen, und das Kartenhaus könnte zusammenfallen.

Die Backen der Finanzinvestoren werden immer dicker. Dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Zenit erreicht ist. Doch daran zweifelt ohnehin kaum noch jemand. Längst lautet die viel spannendere Frage, ob die Landung weich oder hart wird. Sollten die Beteiligungsfirmen nicht zur Disziplin zurückfinden, spricht viel für die zweite Variante.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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