Private Equity
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So verlockend es für die institutionellen Anleger sein mag, die Firmenjäger als Vermittler von Buy-outs auszuschalten, so riskant ist es auch.

Massive Kritik von Gewerkschaften und Politikern sind die Private-Equity-Firmen inzwischen gewohnt. Neu ist dagegen, dass jetzt auch institutionelle Anleger und Aktionäre aufbegehren. Den einen sind die Gebühren der privaten Finanzinvestoren zu hoch, den anderen die von den Firmenjägern gezahlten Kaufpreise für ihre Unternehmen zu niedrig. Beide Gruppen ziehen daraus denselben Schluss: Do it yourself!

In Kanada haben sich gleich mehrere große Pensionsfonds des Landes zusammengeschlossen, um die größte Telefongesellschaft des Landes zu übernehmen. Zwar sind direkte Beteiligungen an Unternehmen durch Pensionsfonds nicht neu. Insbesondere die kanadischen Gesellschaften sind seit Jahren aktive Investoren. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die Fonds sich inzwischen alleine trauen, eine Transaktion von knapp 30 Milliarden Dollar zu bewältigen. Die professionellen Firmenjäger von Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und Providence müssen auf dem für sie ungewohnten Beifahrersitz Platz nehmen. Ähnlich war es in Großbritannien, wo der Wellcome Trust sich um die Drogeriekette Alliance Boots bemüht hatte, am Ende jedoch von KKR übertrumpft wurde.Der Grund für die Alleingänge der institutionellen Anleger sind die saftigen Gebühren der Private-Equity-Firmen. Jedes Jahr zahlen die Investoren den professionellen Firmenjägern zwischen eineinhalb und zwei Prozent für die Verwaltung des Fondsvermögens. Darüber hinaus verlangen die Buy-out-Könige noch 20 Prozent vom Gewinn, wenn die Firmenbeteiligungen nach einigen Jahren wieder verkauft werden.

Das ist den Managern der großen Pensionsfonds offenbar zu viel. Und so versuchen sie, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Schuld daran sind auch die so genannten „Club-Deals“ der Private-Equity-Firmen. Durch den Zusammenschluss mehrerer Firmenjäger bei Großübernahmen werden jene Anleger düpiert, die zur Risikostreuung zuvor bewusst in unterschiedliche Buy-out-Fonds investiert haben. Dennoch müssen die Investoren für ihr Investment in dasselbe Unternehmen mehrfach Gebühren zahlen. Versuche, den Private-Equity-Kuchen neu aufzuteilen, gab es schon früher. So konnte KKR im ersten Buy-out-Boom während der 80er-Jahre seinen Geldgebern die Konditionen regelrecht diktieren. Damals setzten die Firmenjäger sogar durch, dass sie nur an den Gewinnen, nicht aber an möglichen Verlusten beteiligt werden. Auch die so genannten „Management-Gebühren“ für die Kontrolle der aufgekauften Firmen steckten die Private-Equity-Gesellschaften in die eigene Tasche. Nach einem Aufstand der Anleger in den 90er-Jahren musste KKR nicht nur die Gebühren teilen, sondern auch Verluste mit übernehmen.

So verlockend es für die institutionellen Anleger sein mag, die Firmenjäger als Vermittler von Buy-outs auszuschalten, so riskant ist es auch. Längst sind Private-Equity-Firmen nicht mehr nur Finanzjongleure, die dafür sorgen, dass eine Firmenübernahme mit hohen Krediten finanziert werden kann. Mit ihrem weit verzweigten Netzwerk und großem Spezialwissen erheben sie den Anspruch, die besseren Unternehmer zu sein. Nicht die Finanzierung, sondern die Wertsteigerung ist deshalb die eigentliche Aufgabe der Private-Equity-Firmen. Pensionsfonds oder andere institutionelle Anleger können das kaum leisten. Ihnen fehlt dazu in den allermeisten Fällen einfach das Know-how. Ganz ähnlich verhält es sich, wenn die Aktionäre der aufgekauften Firmen meutern, weil ihnen die Preise der Private-Equity-Gesellschaften zu gering erscheinen. Die widerspenstigen Eigentümer stellen damit die zentrale Frage: Warum erwirtschaften private Finanzinvestoren mit ihren Investitionen Renditen von 20 Prozent und mehr, während das Management der übernommenen Firmen nur einstellige Werte erreichte, solange das Unternehmen noch an der Börse notiert war?

In den USA drängen Großaktionäre das Management des US-Radiobetreibers Clear Channel, die Strategie der Buy-out-Firmen zu kopieren und selbst die hohen Renditen einzufahren. Auch hier ist der Gedanke: warum den Gewinn mit Finanzinvestoren teilen, wenn es auch ohne geht? Zumal die Private-Equity-Firmen häufig mit demselben Management weitermachen. Aber offenbar geht es in vielen Fällen doch nicht ohne den Druck und das Know-how der Finanzinvestoren. Anders lassen sich die Renditeunterschiede kaum erklären. Dennoch bleibt der Aufstand der Aktionäre nicht ohne Wirkung. So hat sich KKR beim Kauf des amerikanischen Audio-Spezialisten Harman bereit erklärt, die bisherigen Aktionäre mit ins Boot zu nehmen und sie am künftigen Wertzuwachs zu beteiligen. Das könnte ein Modell für die Zukunft sein.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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