Privatkundengeschäft
Weckruf für Sparkassen

Der Potentat wird zum Getriebenen: Lange konnten die Sparkassen das Privatkundengeschäft als ihre Domäne ansehen. Nun wendet sich das Blatt, und die Privatbanken greifen an.

Sichere Staatsgarantien verzerrten den Wettbewerb und bescherten den Sparkassen eine günstige Refinanzierung. Gleichzeitig hatten die Vorstände in den Großbanken jahrelang nur das Investment-Banking und die damit verbundenen Ertragschancen im Kopf. So kamen die Sparkassen auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent.

Doch nun werden die Bedingungen für sie unbequemer. Ab dem Jahr 2005 verliert die Finanzgruppe die Staatsgarantien. Gleichzeitig drängen die Banken zurück ins Geschäft mit den Privatkunden. Denn auch hier ist gutes Geld zu machen. Und die Erträge unterliegen nicht so starken Schwankungen wie im Investment-Banking. Was liegt näher, als den Sparkassen die Kunden streitig zu machen?

Der Vorstoß hat Aussicht auf Erfolg, weil die Finanzgruppe der Sparkassen sich auf die veränderten Bedingungen noch nicht richtig eingestellt hat. Sie muss die schlechte Rentabilität wieder aufbessern, enger zusammenrücken und den eigenen Laden auf Vordermann bringen.

Das Sparkassenlager hat mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen. Die künftigen Richtlinien für die Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital, auch Basel II genannt, werden zu weiteren einschneidenden Veränderungen führen. Erstmals schauen dann die Aufsichtsbehörden der Finanzinstitute weltweit nicht nur auf Kosten und Erträge, sondern auch auf das damit verbundene Risiko.

Den Wettbewerbern der Privatbanken kommt zugute, dass die Landesbanken sich inzwischen verstärkt an den Bedürfnissen der Sparkassen ausrichten. Vorher führten beide ein Eigenleben. Doch diese Veränderung gibt es nicht gratis: Die Sparkassen müssen für Dienstleistungen wie die Entwicklung neuer Produkte auch bezahlen.

Sparkassen und Landesbanken müssen sich besser vernetzen, damit der Risikotransfer reibungslos funktionieren kann. Das schafft bei den Sparkassen Spielraum für neues Geschäft mit Privatkunden sowie kleinen und mittleren Firmenkunden. Denn ihre Klientel vor Ort kennen sie bestens. Daraus kann, daraus muss die Finanzgruppe mehr machen, sonst wird sie auseinander brechen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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