Pro Sieben Sat 1
Labiler Markt

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Nichts ist schlimmer in der Medienindustrie als falsche Versprechungen. Guillaume de Posch, Chef von Deutschlands größtem Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1, schraubt deshalb die Erwartungen nach unten. Der clevere Belgier, den einst Hollywood-Milliardär Haim Saban als internationales Management-Talent entdeckt hat, gibt sich zurückhaltend. Die Sendergruppe wachse nicht mehr als der deutsche Fernsehmarkt, verkündet de Posch. Er erwarte nur noch ein Plus von zwei bis drei Prozent. De Posch hat wohl recht. Im deutschen Fernsehmarkt wachsen die Bäume trotz guter Konjunktur nicht mehr in den Himmel. Die Werbemärkte für TV und Print stehen unter Druck. Werbemillionen fließen zusehends ins Internet. Das hat Folgen für die egozentrische Branche.

Pro Sieben Sat 1 wird sein Engagement im Internet noch schneller ausbauen müssen, um unabhängiger vom labilen TV-Werbemarkt zu werden. Denn derzeit erwirtschaftet die Sendergruppe inklusive der übernommenen Fernseh- und Radiogruppe SBS gerade einmal 17 Prozent aller Erlöse außerhalb des Werbemarkts. Die Videoplattform Myvideo und das Filmabrufportal Maxdome sind daher nur der Anfang. Erst gestern hat der Fernsehkonzern die Übernahme der Ratgeberplattform „wer-weiss-was“ mit mehr als 300000 Nutzern bekanntgegeben.

Ein Problem für den Münchener Fernsehkonzern ist allerdings die hohe Verschuldung. Durch die Übernahme der SBS steht die Sendergruppe nun mit über drei Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide. Da bleibt nicht viel Spielraum für große Online-Investitionen. Deshalb wird Pro Sieben Sat 1 seinen Gürtel bei den Kosten für die Fernsehsender noch enger schnallen. Der Personalabbau bei Sat 1 wird dafür nicht reichen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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