Pro Sieben Sat 1
Schöne Besherung

Das schönste Geschenk hat sich Hollywood-Milliardär Haim Saban bereits zehn Tage vor Weihnachten gemacht. Der Medien-Tycoon hat für den sagenhaften Preis von fast drei Milliarden Euro den Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 an die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira verkauft.

Eine schöne Bescherung für Saban und seine Finanzpartner. Besser hätte es für den cleveren Geschäftsmann jedenfalls nicht laufen können. Innerhalb von drei Jahren hat Saban seinen Einsatz mehr als verfünffacht. Er beweist damit, dass die deutsche Medienbranche auch in mageren Zeiten eine Goldgrube sein kann. Besonders bei Kartellamtschef Ulf Böge sollte sich Saban nun bedanken. Denn Deutschlands oberster Wettbewerbshüter hatte die Übernahme der Sendergruppe durch den „Bild“-Konzern Axel Springer im Februar verhindert und dadurch den Gewinn für Saban um ein paar hundert Millionen Euro unfreiwillig erhöht. Denn Springer-Chef Mathias Döpfner wollte damals „nur“ 2,45 Milliarden Euro für Pro Sieben Sat 1 zahlen.

Doch nicht nur für Saban ist es gut gelaufen, sondern auch für die Sendergruppe selbst. Denn der Verkauf der Pro Sieben Sat 1 an KKR und Permira ist ein europäischer Coup: Plötzlich eröffnet sich für den Münchener TV-Konzern eine internationale Chance. Die neuen Besitzer wollen ihren bisher in Amsterdam ansässigen Fernsehkonzern SBS Broadcasting mit Pro Sieben Sat 1 verschmelzen. Dann wird der künftige Konzern über mehr als 50 Kanäle in zehn Ländern verfügen. Diese neue Gruppe wird nach ihrer Fusion zum ernsthaften Konkurrenten für den bisherigen Branchenprimus RTL Group, der vor allem in Deutschland, Frankreich und Benelux stark ist.

Bertelsmann, der Mutterkonzern der RTL Group, kommt dieser Coup höchst ungelegen. Denn das Fernsehgeschäft ist seit Jahren der mit Abstand größte Gewinnbringer der Gütersloher. Derzeit stöhnt der Medienriese unter einem Schuldenberg von fast neun Milliarden Euro. Um den teuren Rückkauf des Anteils des belgischen Milliardärs Albert Frère in Höhe von 25 Prozent finanzieren zu können, darf im Fernsehgeschäft nichts schief laufen. Ein international aufgestellter TV-Konzern aus Pro Sieben Sat 1 und SBS könnte aber der bisher so mächtigen RTL Group bei so mancher Transaktion einen Strich durch die Rechnung machen. Zudem: Der aus Belgien stammende Chef von Pro Sieben Sat 1, Guillaume de Posch, ist ein international erfahrener Konzernlenker. Bevor er bei Saban anheuerte, steuerte der vielsprachige Manager erfolgreich einen Fernsehsender in Frankreich. Der Zuschlag für KKR und Permira ist das Wunschszenario für den Vorstand von Pro Sieben Sat 1. Denn mit einem Partner wie SBS kann das Management durchaus erneut eine Wachstumsgeschichte schreiben. Die Werbemärkte in vielen Ländern ziehen wieder an. Vor allem mit dem schnellen Ausbau von Zusatzgeschäften und einer weiteren Expansion in das digitale Fernsehen lässt sich der Unternehmenswert weiter steigern. Im Ausland, insbesondere in Osteuropa, eröffnen sich zudem immer wieder interessante Möglichkeiten für Zukäufe.

Doch eines ist auch klar: Die Synergien zwischen unterschiedlichen Sendern und in unterschiedlichen Ländern sind mehr als überschaubar. Davon kann RTL-Vorstandschef Gerhard Zeiler ein Lied singen. KKR und Permira werden Tempo machen. Denn bereits in wenigen Jahren wollen sie ihren Milliarden-Einsatz vergolden. Wie das funktioniert, hatte Permira mustergültig beim Bezahlsender Premiere vorgeführt. Unter Führung des kämpferischen Managers Georg Kofler wurde der von Krisen geschüttelte Sender saniert und erfolgreich an die Börse gebracht. Vor wenigen Wochen hat Permira seine letzten Anteile verkauft. In diesem Fall hat sich ein Finanzinvestor, also eine „Heuschrecke“, als Stabilisator des deutschen Fernsehmarktes erwiesen. Wenn in wenigen Jahren die neue Pro Sieben Sat 1 wieder zum Verkauf stehen wird, gibt es vielleicht auch ein liberales Wettbewerbsrecht. Dann könnte womöglich Axel Springer einen neuen Anlauf nehmen, um doch noch groß in das geliebte Fernsehgeschäft in Deutschland einzusteigen. Denn als Minderheitsaktionär sitzt der „Bild“-Konzern bereits in der ersten Reihe.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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