Pro Sieben/Sat1
Ciao, Cavaliere

Der Hollywood-Milliardär Haim Saban schickt Berlusconi in die Wüste. Die vom früheren italienischen Ministerpräsidenten und Medienunternehmer kontrollierte Fernsehgruppe Mediaset hat das Bieterrennen um den TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 verloren.

Auch wenn beide Seiten über die Gründe schweigen, so viel ist bereits klar: Berlusconi hat nicht genügend Geld für die Münchener Sendergruppe angeboten. In der Politik – von der CSU über SPD bis hin zu den Grünen – herrscht Erleichterung. Denn auf den Cavaliere mit seinen Billigprogrammen hatte hier zu Lande niemand Lust. Im Vergleich zu Berlusconis italienischen und spanischen Privatsendern erscheinen Kanäle vom Schlag Sat 1 oder Pro Sieben wie Hochburgen der Fernsehkultur. Von der politischen Einflussnahme ganz zu schweigen. Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe des Berlusconi-Rückzugs warnte noch SPD-Chef Kurt Beck vor dem Einstieg der Italiener. Der Mainzer Landeschef drohte sogar mit einer Gesetzesänderung, um den Einfluss ausländischer Medieninvestoren zu begrenzen. Ein wenig mehr Gelassenheit hätte dem Chef der Rundfunkkommission der Länder sicherlich gut getan.

Die von Berlusconi gelieferte Ouvertüre zum Bieterrennen um Pro Sieben Sat 1 zeigt eines: Saban und seine Finanzpartner wollen viel, vielleicht zu viel Geld für ihre vor drei Jahren preiswert erworbene Sendergruppe. Und offenbar gibt es Investoren, die bereit sind, einen echten Liebhaberpreis dafür zu zahlen. Denn die Zukunft der Sendergruppe sieht nicht gerade rosig aus. Schnelle und große Wachstumsmöglichkeiten kann Pro Sieben Sat 1 derzeit nicht bieten. Der Vorstand wollte gestern nicht einmal eine Prognose zum Werbemarkt für 2007 abgeben. Im Zeitalter des digitalen Fernsehens gibt es eben viele Chancen, aber noch mehr Risiken.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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