Pro und Contra Jens Weidmann - Held oder Quertreiber?

Der doppelte Weidmann: Für die einen ist der Bundesbankpräsident ein Held, für die anderen ein Opportunist. Als einziges Mitglied im EZB-Rat hat er gegen Pläne für Anleihekäufe der EZB gestimmt. Bislang wirkungslos.
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Mit seinem Nein zu Draghis-Plänen für Anleihekäufe polarisiert Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Quelle: dapd

Mit seinem Nein zu Draghis-Plänen für Anleihekäufe polarisiert Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

(Foto: dapd)

Eigentlich sollte Jens Weidmann weniger polarisieren als sein Vorgänger Axel Weber. Mit seiner forschen Art war Weber im EZB-Rat in die Isolation geraten. Als Angela Merkel einen Nachfolger für ihn suchte, fiel die Wahl ausgerechnet auf einen ihrer engsten Berater.

Jens Weidmann hatte zuvor als Wirtschaftsberater im Kanzleramt gearbeitet. Nun sollte er vom Kanzleramt direkt nach Frankfurt in die Zentrale der Bundesbank wechseln. Weidmann sei ein Mann, der für seine Positionen kämpft aber Kompromisse sucht, hieß es damals.

Knapp ein Jahr später ist Weidmanns Position umstritten: Für die einen ist er zum Helden der deutschen Stabilitätsdisziplin geworden - für andere ist er ein Opportunist, der in der Euro-Krise keine Alternativen bietet. Nichts zeigt den Zwiespalt deutlicher als die Debatte um Draghis Pläne für Anleihekäufe der EZB. Weidmann war das einzige von 23 Mitgliedern im EZB-Rat, das gegen Draghis Pläne stimmte. Kritiker in der EZB werfen ihm eine Verweigerungshaltung vor. "Jens Weidmann zieht sich auf juristische Positionen zurück und verweigert ein pragmatisches Krisenmanagement", sagen sie über den deutschen Geldhüter.

Der Bundesbank-Chef hingegen brandmarkte Anleihekäufe der EZB immer wieder als Rechtsbruch - und als unvereinbar mit dem Mandat der Zentralbank. "Ich kann nicht erkennen, wie das Vertrauen in ein System zurückkehren soll, das seine Gesetze bricht", gab er im November 2011 zu Protokoll.

Ist Weidmann die Stimme der ökonomischen Vernunft oder taugt er nicht als Held? Ein Pro und Contra von zwei Handelsblatt-Redakteuren.

Jan Mallien: Weidmann taugt nicht als Held
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136 Kommentare zu "Pro und Contra: Jens Weidmann - Held oder Quertreiber?"

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  • @Rechner
    Hier behaupten Sie, wo Sie beweisen müssten. Und Sie arbeiten mit tautologischen Zirkelschlüssen. Wenn Staaten Kredite aufnehmen, zahlen sie die nie zurück, sie zahlen nur den Zins. Ein Staat hat sozusagen eine Ewigkeitsgarantie für seine Schulden. Diese können temporär höher oder niedriger sein. Der Risikozins in der derzeitigen Konstruktion der europäischen Währungsunion ist eine Erfindung der Deutschen. Sie machen die Staaten zum potentiellen Pleitier, da sie keine Zentralbank haben, die als Ort der letzten Zuflucht (Lender of last Resort) fungiert. Damit hat sich die Eurozone ihr eigenes Grab geschaufelt, wenn nicht in letzter Sekunde noch eine Umkehr stattfindet. Alles andere, was Sie als Notwendigkeit anführen ist Ideologie mit klassenkämpferischer Attitüde.

  • @Rechner
    Man muss ihnen schon ein ziemlich komplexes Wissen konstatieren. Allerdings relativieren Sie ihre Aussagen, je nach ihrer persönlichen Überzeugung, in tendenziöser Weise. Z.B. wenn Sie darauf hinweisen:

    "Richtig ist, daß die Staatsverschuldung Italiens in den letzten drei Jahren nur minimal angestiegen ist...“

    Zudem verengen Sie die Frage von @Eddie allein auf Italien, wo die Verschuldung seit 20 Jahren bei ca. 120%/BIP liegt und moderat angestiegen ist, um auf Griechenland zu springen, wo die Verschuldung sehr stark gestiegen ist (106 auf 167%). Was Sie verschweigen ist, dass als die Banken 2007 zu kollabieren begannen, das Staatsdefizit im Euro-Raum bei mickrigen 0,7% des BIP lag. Die Gesamtschuldenquote war seit Euro-Start um zehn Prozentpunkte gesunken, in Italien sogar um 17. In 21 von 35 entwickelten Industrieländern fuhren die Regierungen damals Etatüberschüsse ein. Spanien hatte die Schuldenquote auf 40%, Irland gar unter 30% gesenkt. Die Risikoprämie auf Staatsanleihen lag fast überall auf Rekordtief. Das war außer im kleinen Griechenland nicht wirklich das Umfeld für eine Staatsschuldenkrise.

    Bezogen auf Deutschland ist es schlicht falsch, zu behaupten, die seit Mitte 1970 stark angestiegene Staatsverschuldung sei ausschließlich einer verfehlten Ausgabenpolitik zuzuschreiben, insbesondere wenn berücksichtigt wird, dass die Staatsquote in Deutschland seit ihrem Höchststand 1996 tendenziell sinkt. Auch ihr immer gern herausgestellter Zusammenhang zwischen Verschuldung und Zinshöhe wird am Beispiel Deutschland widerlegt. Die rationale Fixierung der Finanzmärkte auf die Bonität des Schuldners im Fall von Deutschland kann nicht festgestellt werden. Trotz steigender Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit, bei gleichzeitiger Stagnation des Wirtschaftswachstums
    auf niedrigem Niveau im Verlauf der 1990er Jahre, sanken die Refinanzierungskosten des deutschen Staates. Daran hat sich mit bis dato nichts geändert.

  • 'Eddie' sagt
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    2 Jahre "EUR-Krise" und manche haben scheinbar immer noch nichts mitbekommen... Es ist also "nicht "die Eurokrise" Schuld an den hohen Zinsen für die Suedlaender ist sondern deren extreme Staatsverschuldung!". So so... War denn die Verschuldung vor der "EUR-Krise" etwa wesentlich niedriger?
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    It takes two to tango!

    Richtig ist, daß die Staatsverschuldung Italiens in den letzten drei Jahren nur minimal angestiegen ist, während sich die Marktrenditen für seine Staatsanleihen etwa verdoppelt haben.

    Bloß war die Verschuldung Italiens auch schon vorher zu hoch. Weshalb die Zinsen für italienische Staatsanleihen zwischen 2002 und 2010 zu niedrig waren, während sie jetzt in etwa angemessen sind.

    In noch höheren Ausmaß gilt das für Griechenland. Es ist ein Witz, wenn sich ein Land im Jahr 2007 mit einer Staatsverschuldung von 106% BSP und einem Haushaltsdefizit von 6,7% BSP zu 4% Geld leihen kann.
    ++++++

    'Eddie' sagt
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    Andere Laender wie z.B. Japan, US, GB sind viel hoeher verschuldet, zahlen aber erheblich weniger, d.h. fast keine Zinsen...
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    Was daran liegt, daß die Notenbanken das Staatsdefizit mitfinanzieren und so die Zinsen drücken.

    In USA/UK direkt, in Japan indirekt.

    Seit dem Anfang des Quantitative Easing ist der Außenwert ihrer Währungen ja dann auch entsprechend gesunken.

    Mit Ausnahme Japan, wo die Staatsverschuldung innenfinanziert ist aufgrund der extremen Sparneigung der privaten Haushalte.

  • 'OnkelSam' sagt
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    Schaun Sie hier: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120115_Paul_Jorion.pdf
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    Habe geschaut, und folgende Kernaussage gefunden:

    """""""""""""""""
    Was ist eigentlich ein ausgeglichener Haushalt?

    Ein Haushalt, in dem die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen.

    Warum wird dann die Solidität eines staatlichen Budgets nicht genau mit diesen Begriffen angeben?
    """""""""""""""""

    Das liegt daran, daß es bei den Maastrichtgriterien eben nicht um einen ausgeglichenen Haushalt als solches geht.

    Sondern darum, zu verhüten daß Staaten in die Schuldenspirale aus steigender Verschuldung, sinkender Bonität und steigenden Zinsen geraten.

    Deshalb ist es sinnvoll, die Staatsverschuldung relativ zur Wirtschaftskraft eines Landes zu bestimmen.

    Schließlich wird die Schuldentragfägigkeit nicht beeinträchtigt, wenn in einem Jahr ein Haushaltsdefizit von drei Prozent von einem nominalen Wirtschftswachstum von ebenfalls drei Prozent begleitet wird.

    ...

    Natürlich - daß gleiche würde auch gelten, wenn es jeweils vier Prozent wären, oder fünf.

    Bloß da derartig hohe Wachstumsraten in ausgewachsenen Volkswirtschaften unrealistisch sind und hohe Inflationsraten von den Notenbanken verhindert werden sollen, ist drei Prozent gar nicht so schlecht.

    Denn bei 2% Inflation und 1% Wirtschaftswachstum führt ein Haushaltsdefizit von 3% zu einer gleichbleibenden Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftskraft.

    Die 60%-Grenze ist natürlich wichtiger als die 3% Grenze - denn hier entscheidet sich die Schuldentragfähigkeit.

  • Eddi

    Spanien zahlt weiterhin so hohe Zinsen, weil die Sparmaßnahmen in die gefährliche Deflation führen, was die Lage noch verschlimmert. Es zählt ja nicht nur die %uale Verschuldung, sondern dass die Gläubiger glauben, dass die Schulden plus Zinsen überhaupt zurück gezahlt werden können. Das ist (vermeindlich) bei der Brd der Fall, bei Spanien nicht.
    Wenn die Umsetzung der Sparmaßnahmen besser wäre, würden auch gewiss die Zinsen sinken. Soweit die "bösen Märkte", die auch nicht immer schuld sind, es zulassen.
    Wenn man wie in Gr oder I der Mitterschicht 30% Löhne und Renten kürzt und die Steuern erhöht, wenn gleichzeitig die Millionäre / Milliadäre ihr Vermögen ins Ausland bringen ohne Steuern zu zahlen kann das nur abwärts gehen. Inflation kann man bekämpfen und ist irgendwie verkraftbar, Deflation war es nie

  • ++++++++++++

    'OnkelSam' sagt
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    Die Feststellung, die Maastrichtkriterien seien willkürlich festgelegt ... ist eine Tatsache.
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    Daß die Festlegung der Maastrichtkriterien nicht willkürlich ist, sondern sich mit einfachen fiskalmatematischen Betrachtungen begründen läßt, habe ich in den Beitrag auf den Sie sich beziehen dargelegt.

    Natürlich ist die Festlegung nicht so exakt wie die Berechnung der Kreiszahl Pi. Denn es gehen auch Annahmen wie die Festigkeit der politisch transformierten Konsumwünsche der Bevölkerung angesichts einer drohenden Zunahme der Verschuldung in die Überlegungen ein.

    Mehr als 100% seines Staatshaushalts kann aber kein Land für seinen Zinsdienst aufwenden - woraus sich selbst bei Annahme von Zinssätzen von 3% bis 6% und einer Staatsquote von 40% eine theoretische Schuldenobergrenze von 666% BSP für Schuldentragfähigkeit ergeben würde.

    Nie hat ein Land aber diesen Verschuldungsgrad erreicht, ohne vorher bereits bankrott gegangen zu sein.

    Auch ist offensichtlich, daß die Stabilität des Systems bei niedriger Verschuldung höher sein muß.

    Weshalb die "Willkürlichkeit" der Festlegung auf 60% so willkürlich ist wie die Festlegung der Geschwindigkeitsbeschränkung im Ortsbereich:

    Jeder kann sehen, daß 20 km/h die Sicherheitserwägungen extrem überbetont, während 200 km/h so gut wie keine Beschränkung ist.

    Irgendwo dazwischen muß das vernünftige Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit liegen.

    ++++++++++++

    'OnkelSam' sagt
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    Die Feststellung, die Maastrichtkriterien seien willkürlich festgelegt und in keinem Lehrsatz der Nationalökonomie zu finden, ist eine Tatsache.
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    Das etwas "in keinem Lehrsatz der Nationalökonomie zu finden ist" beweist nicht daß es willkürlich festgelegt wäre.

    Weshalb allenfalls letzteres eine Tatsache ist, aber bestimmt nicht ersteres.

  • 'OnkelSam' sagt
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    @Rechner
    Sie schreiben bei ihren Berechnungen die Zahlen linear fort, was nie stimmt.
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    Ich schreibe nichts linear fort. Und auch nicht nichtlinear. Ich stelle lediglich Beispielrechnungen auf dafür, was sich aus Änderungen von Zinssätzen für Staatshaushalte ergibt.

    +++++++++++

    'OnkelSam' sagt
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    Das sehen Sie in der Eurokrise wo Deutschland sogar profitiert und weniger für seine Schulden zahlt.
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    Daran, daß "Deutschland sogar profitiert und weniger für seine Schulden zahlt" soll ich sehen, daß ich bei meinen "Berechnungen die Zahlen linear fort[schreibe], was nie stimmt"?

    Wollen Sie hier Witze machen?


    +++++++++++

    'OnkelSam' sagt
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    Im Übrigen besteht die (Fehl) Konstruktion der europäischen Währungsunion gerade darin, dass sich Staaten am Primärmarkt finanzieren müssen und dies nicht direkt bei der EZB können, dieser ist auch nicht erlaubt dort Anleihen zu kaufen, was die Zinsen für die Schuldenstaaten erst so recht in die Höhe getrieben.
    -----------------

    Das haben Sie vollkommen richtig erkannt.

    Abgesehen davon, daß ich das für eine gelungene Konstruktion halte, und nicht für eine Fehlkonstruktion.

    Dadurch werden die Zinsen natürlich höher für Staaten mit hoher Staatsverschuldung und hohen Haushaltsdefiziten, was der beabsichtigte Effekt ist.

    Erst, wenn Märkte an den fiskalischen Gegebenheiten gemessen zu hohe Zinsen berechnen, greift die EZB ein.

    Und nicht vorher.


    +++++++++++

    'OnkelSam' sagt
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    Das ist aber kein volkswirtschaftliches Naturgesetz, sondern eine (finanz-)politische Entscheidung der Euroländer. Die USA oder Japan haben das nicht.
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    Stimmt.

    Und es ist - wie oben dargelegt - die richtige Entscheidung. Denn wenn Staaten sich beliebig zu ihren Wunschzinsen bei der Notenbank refinanzieren könnten, dann wäre Verschwendung und Inflation Tür und Tor geöffnet.

  • Dumm nur, dass die 130 Milliarden in Gold zu 97% in den USA lagern, (sofern sie überhaupt noch in dem Maße existieren).
    Andererseits können sich an dem Gold die Clubmed Staaten ja nicht so einfach bedienen, denn dann müssen sie ja an Obama vorbei. Und wer weiß für welche Ereignisse dieses Gold da hinterlegt ist.

  • @Rechner
    Sie schreiben bei ihren Berechnungen die Zahlen linear fort, was nie stimmt. Das sehen Sie in der Eurokrise wo Deutschland sogar profitiert und weniger für seine Schulden zahlt. Im Übrigen besteht die (Fehl) Konstruktion der europäischen Währungsunion gerade darin, dass sich Staaten am Primärmarkt finanzieren müssen und dies nicht direkt bei der EZB können, dieser ist auch nicht erlaubt dort Anleihen zu kaufen, was die Zinsen für die Schuldenstaaten erst so recht in die Höhe getrieben. Das ist aber kein volkswirtschaftliches Naturgesetz, sondern eine (finanz-)politische Entscheidung der Euroländer. Die USA oder Japan haben das nicht. Die Feststellung, die Maastrichtkriterien seien willkürlich festgelegt und in keinem Lehrsatz der Nationalökonomie zu finden, ist eine Tatsache. Schaun Sie hier: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120115_Paul_Jorion.pdf

  • ..... Fortsetzung

    Und es gab Staatspleiten - ziemlich viele sogar. Nicht erstaunlich, daß die eher bei hohen als bei niedrigen Schuldenständen eingetreten sind.

    ...

    Wenn ein Staat Schulden von 60% seines BSP hat, dann muß er bei einer Verzinsung von 3% 1,8% seines BSP für den Zinsdienst aufbringen. Bei eine Staatsquote von 40% macht das dann 4,5% des Haushalts aus. Sollte sich aufgrund einer Kreditverknappung die Zinshöhe verdoppeln, dann würde das auf die Dauer zu einer Zinslast von 3,6% BSP oder 9% des Staatshaushalts führen. Bei einer normalen Fälligkeitsstruktur der Staatsschuld würde es zehn Jahre dauern, bis die gesamte Staatsschuld zu diesen Zinssätzen bedient werden müßte. Im ersten Jahr würde die Anpassung 0,36% BSP oder 0,9% des Staatshaushalts betragen, im zweiten Jahr 0,324 % BSP oder 0,81% des Staatshaushalts und so weiter.

    Die Sensitivität des Staatshaushalts zu Veränderungen an den Zinsmärkten ist erträglich.

    Bei einer Verdoppelung des Schuldenstands ist die Lage weniger angenehm:

    Während eine Verdoppelung des Zinsniveaus bei einem Schuldenstand von 60% im ersten Jahr zu einer Extrabelastung des Haushalts von 0,9% führt, sind es nun 1,8%. Das ist schon erheblicher, und kann zur Folge haben daß eine politische Tendenz entsteht die zusätzlichen Zinszahlungen mit mehr Schulden zu finanzieren. Der Markt beobachtet das, reduziert die Kreditwürdigkeit des Schuldners entsprechend und höhere Zinsen werden berechnet.

    Wir kommen in die griechische Situation der Schuldenspirale - die fiskalischen Probleme wereden einfach verschiben und dadurch von Jahr zu Jahr immer größer und teurer.

    Weshalb die Kritik an den Maastrichtkriterien als "völlig willkürlich gegriffen" nicht gerechtfertigt ist.

    Obige Betrachtungen mit Schuldenständen von 10% und 200% durchgerechnet zeigen, daß ersteres unnötig kleinlich ist und letzteres viel zu hoch.

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