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Produzenten an der Wand

RTL, Deutschland größter Privatsender, hat seine Lieferanten zu Kölsch und Mineralwasser an den Rhein eingeladen. Doch der schöne Blick auf den Kölner Dom an einem lauen Sommerabend konnte die Stimmung der meisten Fernsehproduzenten nicht nachhaltig verbessern:

RTL, Deutschland größter Privatsender, hat seine Lieferanten zu Kölsch und Mineralwasser an den Rhein eingeladen. Doch der schöne Blick auf den Kölner Dom an einem lauen Sommerabend konnte die Stimmung der meisten Fernsehproduzenten nicht nachhaltig verbessern: Viele Unternehmen, die das deutsche Fernsehen mit Serien, Show und Spielfilmen versorgen, stehen mit dem Rücken an der Wand.

Die Idee der designierten RTL-Chefin Anke Schäferkordt, der geschundenen Branche ein wenig Seelenmassage zukommen zu lassen, kam bei den Produzenten gut an - Leid erträgt sich besser in einer Selbsthilfegruppe. Am Grundkonflikt ändert sich aber nichts: Den großen Sendern schmelzen seit dem Platzen der Börsenblase die Werbeeinnahmen weg. In den vergangenen fünf Jahren sanken die Einnahmen um ein Fünftel, jährlich gehen Werbemillionen in der Größenordnung des Umsatzes von RTL 2 verloren.

Nach außen wollen die TV-Konzerne noch keine Verzweiflung erkennen lassen. Doch intern macht sich allmählich Katastrophenstimmung breit. Denn eine Erholung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, mancher Senderchef rechnet bereits für 2005 mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen von drei bis fünf Prozent. Bei den Produzenten sorgen solche Zahlen für Existenzängste. Denn eines klar: Die Sender werden die Daumenschrauben bei ihren Lieferanten noch weiter anziehen. Da trösten weder Kölsch noch Mineralwasser.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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