Projekte leiden oft unter unrealistischen Vorgaben
IT-Entwicklungshilfe kann Armut bekämpfen

Über eines herrschte Einigkeit auf dem Genfer Weltinformationsgipfel im letzten Dezember: Der digitale Graben (Digital Divide) zwischen armen und reichen Ländern muss überwunden werden. Nun gilt es, die vielen Grundsatzreden mit praxisorientierten Inhalten zu füllen.

HB DÜSSELDORF. Fest steht: Moderne Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) kann dabei helfen, vielfältige entwicklungspolitische Ziele zu erreichen. Ob Armutsbekämpfung, Sicherung der Basisgesundheit, Grundbildung, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern oder Demokratisierung - zu all diesen Zielen kann die ITK beitragen. Dabei ist die Einführung der Technologie kein Ziel an sich, sondern immer Mittel zum Zweck. Es geht also nicht um die Frage eines Entweder-Oder - ITK oder Gesundheit? ITK oder Wasser? Die neuen Techniken sind vielmehr ein Instrument zur Erfüllung nahezu aller entwicklungspolitischen Aufgaben.

Wer aber macht den Anfang? Immer wieder wird auf den Primat des privaten Kapitals verwiesen, das notwendig sei, um das Potenzial von ITK für die Entwicklung zu nutzen. Aber die Realität zeigt bisher, dass Entwicklungsländer, vor allem deren ländliche Gebiete, für private Investoren unattraktiv sind - selbst wenn bereits liberalisierte Rahmenbedingungen geschaffen wurden. Daher müssen Internationale Finanzierungsinstitutionen wie die Weltbank oder die Regionalbanken das erforderliche öffentliche Kapital bereit stellen, um zu gewährleisten, dass der digitale Graben nicht weiter wächst.

Doch auch das ist leichter gesagt als getan. Es zeigt sich, dass sowohl diese Finanzierungsinstitutionen aber auch auf IT spezialisierte Beratungsfirmen häufig nicht über die notwendige Kombination von Wissen verfügen. Denn neben sehr gutem IT-Wissen sind auch profunde Kenntnisse der soziokulturellen Bedingungen der Entwicklungsländer unabdingbar. Wenn diese spezifische Kombination an Wissen und Kompetenzen fehlt, sind Probleme programmiert.

Egal ob es um die gesamte ITK-Strategie eines Entwicklungslandes geht, um E-Government oder die Umsetzung spezifischer Programme im Bildungswesen. Häufig leiden die Vorhaben an unklaren Aufgabenbeschreibungen, zu geringer Einbeziehung der lokalen ITK-Industrie und zu hoher Techniklastigkeit. Das gilt sowohl für ausgeschriebene Projekte in der Karibik, als auch in Südosteuropa, im Mittelmeerraum oder in Afrika. Die Lektion aus diesen Erfahrungen: Mit Technik allein lässt sich der digitale Graben nicht überwinden. Nötig ist vielmehr ein integrierter Projektansatz, der die sozioökonomischen Faktoren der Entwicklungsländer berücksichtigt.

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