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Pseudo-Flatrate der Telekom: Ein Fall für die Kartellwächter

Internet in Magenta: Die Telekom schafft die herkömmliche Flatrate ab. Schlimmer als die Datendrosselung ist jedoch, dass sie auch das Prinzip der Netzneutralität mit Füßen tritt. Ein Kommentar.

Die Telekom schafft die Flatrate durch die Hintertür ab. Quelle: Reuters
Die Telekom schafft die Flatrate durch die Hintertür ab. Quelle: Reuters

Die Deutsche Telekom schafft das Rundum-Sorglos-Paket fürs Internet ab: Wer eine monatliche Datenmenge verbraucht hat, wird künftig auf 384 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) ausgebremst – nach heutigen Maßstäben eine Schneckenverbindung. Auch wenn das nicht ab sofort gilt und nicht für bestehende Verträge, könnten die Folgen langfristig gewaltig sein. Denn das magentafarbene Internet, wie es sich der Konzern vorstellt, schadet der Netzwirtschaft.

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Dass die Telekom die Flatrates abschafft, ist nicht unbedingt zum Nachteil der Kunden. Mit 75 Gigabyte dürften viele auskommen – das Unternehmen rechnet vor, dass man damit nicht nur im Netz surfen und Mails bearbeiten, sondern beispielsweise auch noch zehn Filme in normaler Auflösung und drei Filme in HD-Qualität anschauen sowie 60 Stunden Internet-Radio hören kann. Wer mehr heruntersaugen will, zahlt eben eine „Zubuchoption“. Oder geht zur Konkurrenz.

Das sind die größten Telekommunikationsunternehmen

  • Platz 10

    Deutsche Telekom - 37,05 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Telstra (Australien) - 42,84 Milliarden Euro

  • Platz 8

    NTT (Japan) - 43,13 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Telefonica (Spanien) - 46,31 Milliarden Euro

  • Platz 6

    NTT Docomo (Japan) - 47,99 Milliarden Euro

  • Platz 5

    America Movil (Mexiko) - 66,96 Milliarden Euro

  • Platz 4

    Verizon (USA) - 93,38 Milliarden Euro

  • Platz 3

    Vodafone (Großbritannien) - 94,26 Milliarden Euro

  • Platz 2

    AT & T (USA) - 145,27 Milliarden Euro

  • Platz 1

    China Mobile - 177,02 Milliarden Euro

    Ranking nach Marktkapitalisierung (Dezember 2012) - Quelle: Bloomberg

Fatal ist jedoch, dass das Tempolimit nicht für die Dienste der Telekom gilt. Ein Beispiel: Wer einen Film der Online-Videothek Maxdome anschaut, muss auf sein Datenkontingent achten, wer den Telekom-Dienst Entertain nutzt, dagegen nicht. Damit nutzt die Telekom ihre dominante Position als Netzbetreiber, um Kunden auch von ihren Inhalten zu überzeugen. Das schadet dem Wettbewerb. Ein Fall für die Kartellwächter.

Gleichzeitig verstößt die Telekom gegen die Idee der Netzneutralität. Dieser Regulierungsgrundsatz sieht vor, dass die Telekommunikationsanbieter alle Daten gleich behandeln. Er ist seit den Anfängen des Internets ein Garant für Wettbewerb und Innovationen in der digitalen Industrie, weil jedes Unternehmen seine Dienste ohne Hürden anbieten kann. Mit seiner Pseudo-Flatrate schafft die Telekom auch diesen Grundsatz mehr oder weniger heimlich ab.

  • 25.04.2013, 08:41 UhrNeueZeit

    Zurück in die Vergangenheit?
    Während es in anderen Ländern durchschnittliche Internetgeschwindigkeiten von 17 Mbit/s gibt* und Internetverbindungen mit Bandbreiten von über 100 Mbit/s keine Seltenheit sind, geht Deutschland zurück in die Vergangenheit.

    Unsere Datenautenbahnen befinden sich wohl in einem ähnlich desolaten Zustand wie unsere realen Autobahnen.


    * http://www.adz.ro/artikel/artikel/rumaenien-verliert-ersten-platz-bei-internet-geschwindigkeit-in-europa/

  • 24.04.2013, 14:11 UhrYosemite

    Das klingt fast wie Microsoft vor noch nicht all zu langer Zeit, nur das es viele Alternativen gibt.

  • 24.04.2013, 11:07 Uhrcarlos62

    Ich bin selber ISP - wenn auch ein ganz kleiner - Das Problem der Telekom kann ich aber gut Nachvollziehen. Dadurch das die Content Industrie kleine Set Top Boxen wie Apple TV im Umlauf bringt, die nichts Speichern und die Verschlüsselte Inhalte, die damit nicht cachebar sind, werden die Netze derart geflutet, das nichts mehr geht. Ein Ausbau ist so nicht finanzierbar, schon weil man gar keine vernünftigen Annahmen für ein Geschäftsmodell mehr machen kann. Was aus der Kriese raus hilft ist einzig eine Rückbesinnung auf die Traditionen des Internet und diese Art Inhalte - zumindest in ausreichend großen Teilen - cachebar zu machen.

    http://bit.ly/XVI3T9

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