Publizität
Kommentar: Lästig, aber konsequent

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Der Verstoß gegen das Gesetz hat Tradition. Seit Jahrzehnten ignorieren deutsche Unternehmer ihre Publizitätspflichten. Ohne jegliche Folgen. In den Handelsregisterauszügen findet sich nur das Notwendigste, über die wirtschaftlichen Verhältnisse von Hunderttausenden kleiner und mittlerer Firmen allerdings nichts. Nach der Devise „Wo kein Kläger, da kein Richter“ können Unternehmer ihre Transparenzpflichten unterlaufen, ohne dass es Konsequenzen hätte.

Damit ist jetzt Schluss. Die Europäische Union drängt auf Transparenz und auf die Einhaltung ohnehin bestehender gesetzlicher Pflichten. Insofern ist die Vorschrift, Jahresabschlüsse auch kleiner GmbHs oder von Personengesellschaften zu veröffentlichen, gar nicht neu. Neu ist nur, dass es mit dem für Deutschland so untypischen Laisser-faire nun ein Ende hat. Von Amts wegen werden ab 2008 Publizität und Publizitätspflicht abgeglichen. Wer sich weigert oder den Vergesslichen spielt, der bekommt eine Ordnungsstrafe aufgebrummt.

Der Aufschrei zum Jahresbeginn über die Qualen der Bürokratie wird groß sein. Das steht schon jetzt fest. Kritiker sollten sich aber die Frage stellen, ob der permanente Gesetzesbruch tragbar ist. Noch mehr sollten sie sich klarmachen, welchen Sinn das seit vielen Jahren existierende Gesetz hat. Wenn Geschäftspartner nur auf das Hörensagen angewiesen sind, wenn sie die Bonität eines Unternehmens abschätzen wollen, dann passt das nicht mehr in eine schnelllebige und wettbewerbsintensive Zeit. Niemand muss sich jetzt in den letzten Winkel seiner Firmenkasse sehen lassen, aber ein Minimum an Publizität verhindert manchen geschäftlichen Flop. Das Gesetz ist sinnvoll – und deshalb muss es auch durchgesetzt werden.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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