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Putins Maske fällt

Russlands Generalstaatsanwalt ermittelt seit fast vier Monaten im direkten Umfeld von Russlands Ölmagnaten Michail Chodorkowskij. Seit diesem Samstag ist der Generalangriff auf Chodorkowskij selbst eröffnet, das Finale im Machtkampf um Yukos eingeläutet.

Bisher hatte Russlands Generalstaatsanwalt seit fast vier Monaten im direkten Umfeld von Russlands Ölmagnaten Michail Chodorkowskij ermittelt. Seit diesem Samstag ist der Generalangriff auf Chodorkowskij selbst eröffnet, das Finale im Machtkampf um Yukos eingeläutet.

Dabei geht es nicht, wie die entgegen allen rechtstaatlichen Normen ermittelnden Staatsanwälte glauben machen wollen, um Steuerhinterziehung, Betrügereien bei Privatisierungen oder angebliche Morde. Nein, es geht um den Konzern selbst und vor allem darum, wem er zukünftig gehören soll.

Die KGB-Kader im direkten Umfeld des Kremlherrn wollen mit allen Mitteln einen politisch ambitionierten Unternehmer wie Chodorkowskij eiskalt ausschalten.

Putins Maske fällt

Das dramatische an der Lex Yukos ist nicht einmal das persönliche Schicksal Chodorkowskijs. Er ist wie alle Oligarchen auf zweifelhaften Wegen an sein Ölimperium gekommen. Er hat es aber auch zu einem modern gemanagten und hochprofitabel arbeitenden Unternehmen gemacht, er engagiert sich wie kaum jemand anders in sozialen Projekten sowie für demokratische Reformen in Russland. Um dieses Engagement ist es schade.

Doch noch dramatischer ist, dass Putin mit dem Zulassen der Yukos-Ermittlungen eines klar macht: An liberale Reformen ist in Russland in der Zukunft nicht zu denken. Die Politik wird gleichgeschaltet zu einem von ihm "gelenkte Demokratie" genannten autoritäritären Staat. Die Wirtschaft wird wieder auf das Kommando dieses autokratischen Staates hören müssen mit Steuermann Putin auf der Brücke des Supertankers Russland. Nur fährt der noch in die richtige Richtung und ist Putin der Partner, den der Westen will und braucht? Zu viele haben sich von Putins Gerede einfangen lassen, jetzt lässt der dem KGB entstammende Kremlherr seine Maske fallen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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